Seit Anfang Juli ist es ja ganz offiziell: Maria Magdalena wurde den Aposteln gleichgestellt. Und damit hat "ihr" Festtag am 22. Juli noch etwas mehr an Bedeutung gewonnen. Die Frauenorden begrüßen die Aufwertung der "Apostelin" Maria Magdalena und werten dies "als positives Signal in Hinblick auf die Bedeutung der anderen biblischen Frauen, die zum Teil im Laufe der Geschichte von der Männerkirche unter den Tisch gekehrt oder sogar in Männer umgewandelt wurden".

Es ist ja nicht so, dass Maria Magdalena bislang nicht gewürdigt oder gefeiert worden wäre. "In vielen Ordensgemeinschaften wird der ersten Verkünderin der Auferstehung schon bisher eine große Bedeutung beigemessen", erklärt z. B. die Generalsekretärin der Vereinigung der österreichischen Frauenorden, Sr. M. Cordis Feuerstein.

Ordensfrauen auf Augenhöhe wahrnehmen

Aber es sei eben auch erfreulich, dass unter Papst Franziskus eine neue und besondere Sensibilität für die Wahrnehmung der Frauen in der Kirche in ihren Aufgaben und Fähigkeiten wachse. "Es ist auch für uns Ordensfrauen wichtig, auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Das ermöglicht uns unseren spezifischen Beitrag zur gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklung zu leisten. Maria Magdalena hat den Auferstandenen als erste gesehen. Das ist uns Ansporn, besonders hellhörig zu sein für Auferstehungsmomente in unserer heutigen Zeit und davon zu erzählen, damit Hoffnung in die Welt zu tragen. Maria Magdalena ist uns darin als Apostelin ein besonderes Vorbild", betont Feuerstein.

Sünderin oder erste Evangelistin

In die Legende ging Maria von Magdala als Sünderin und Büßerin ein: Sie soll jene Frau gewesen sein, die Jesus die Füße salbte. Im Evangelium ist dieser Frau kein Name gegeben. Papst Gregor hat sie als Maria Magdalena identifiziert. Was einst Papst Gregor der Große bestätigte, wird nun unter Franziskus aufgeklärt: Von der Sünderin ist keine Rede mehr. Vielmehr von der ersten Evangelistin. Maria blieb bei Jesu bis zu seiner Hinrichtung am Kreuz, entdeckte als erste das leere Grab und erlebte dort die Erscheinung des auferstandenen Jesus und erzählte davon als erste den Aposteln.

Kaiserin Maria Theresia ist an allen schuld

Dass Maria Magdalena nun wieder den Aposteln gleichgestellt wurde, hat sie in gewisser Weise Kaiserin Maria Theresia zu verdanken, erklärt der Linzer Theologe und Gründer der "Initiative Christlicher Orient" (ICO), Hans Hollerweger. Bis 1754 sei Maria Magdalena nämlich den Aposteln und einigen weiteren Heiligen gleichgestellt gewesen, ihr Fest am 22. Juli als gebotener Feiertag mit Kirchenbesuch und verbotener Arbeit gefeiert worden. Aber, so Hollerweger: "Eine Frau hat ihr diesen Rang streitig gemacht: die Kaiserin Maria Theresia."

Mit ihrer Verordnung vom 21. Jänner 1754 bestimmte die Habsburger-Monarchin laut dem Theologen 24 gebotene Feiertage zu "Halbfeiertagen", an denen man zwar die Messe besuchen musste, aber arbeiten sollte. Die Auswahl habe der Wiener Erzbischof Johann Joseph von Trautson festgelegt, und Papst Benedikt XIV. (1740-1758) zugestimmt. "Dadurch wollte man die Verehrung der Heiligen nicht schmälern, aber dem 'verderblichen Müßiggang' entgegenwirken und der Armut des Volkes abhelfen", erklärte Hollerweger. Das hat aber nicht funktioniert. (red/kathpress)

Übrigens: Wer Maria Magdalena in Vorarlberg ganz nah sein will, findet dafür gleich zwei Orte: die Pfarrkirche hl. Maria Magdalena in Ebnit und jene in Gargellen.