"Diejenigen, die Krieg führen, vergessen die Menschlichkeit", mahnt Franziskus beim sonntäglichen Mittagsgebet am 27. Februar 2022 und fordert humanitäre Korridore für flüchtende Menschen.

Mit Worten und Taten dringt Papst Franziskus auf Frieden in der Ukraine und Hilfe für die Menschen im Land. Beim Mittagsgebet am Sonntag forderte er humanitäre Korridore für die Flüchtlinge aus der Ukraine. "Ich denke an die alten Menschen, die einen Zufluchtsort suchen, ich denke an die Mütter, die mit ihren Kindern fliehen", so Franziskus. Er nutzte die Gelegenheit, um Ukrainer auf dem Petersplatz in ihrer Landessprache zu begrüßen. "Slava Isusu Christu", "Gelobt sei Jesus Christus", rief der Papst ihnen zu. "Wir flehen Gott nur noch intensiver an", so der Papst. Bereits Ende Jänner hatte er zu einem weltweiten Friedensgebet aufgerufen.


"Gott ist mit den Friedensstiftern"

"Diejenigen, die Krieg führen, vergessen die Menschlichkeit", mahnte der Papst. Der Krieg schaue nicht auf das konkrete Leben der Einzelnen, sondern stelle Partei- und Machtinteressen über alles, klagte er. Das gelte für alle Kriege, auch in Syrien, dem Jemen oder in Äthiopien. "Lasst die Waffen schweigen, Gott ist mit den Friedensstiftern, nicht mit denen, die Gewalt anwenden", sagte Franziskus.

Telefonat mit Wolodymyr Selenskyj

Am Samstag hatte der 85-Jährige bereits Nähe zum ukrainischen Volk gezeigt. Er telefonierte mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. In dem Gespräch habe der Heilige Vater seinen tiefgreifenden Schmerz über die aktuellen tragischen Ereignisse in der Ukraine zum Ausdruck gebracht, teilte die Ukrainische Botschaft beim Heiligen Stuhl per Twitter mit. Der Vatikan bestätigte das Telefonat ohne weitere Details zum Inhalt. Selenskyj selbst bedankte sich via Twitter für die Gebete des Papstes. Das ukrainische Volk spüre den spirituellen Rückhalt des Heiligen Vaters.

Franziskus rief am Wochenende zudem mehrfach in zahlreichen Sprachen, darunter auch auf Russisch und Ukrainisch, zum Frieden in der Ukraine auf. In Tweets wiederholte er unter anderem seine Worte der Generalaudienz vom vergangenen Mittwoch: "Die Königin des Friedens bewahre die Welt vor dem Wahnsinn des Krieges." Jesus Christus habe gelehrt, dass man gegen "den teuflischen Unsinn der Gewalt" mit Gottes Waffen, dem Gebet und dem Fasten, antworte müsse.

Besuch beim russischen Botschafter

Am Freitagmittag hatte Franziskus überraschend die Russische Botschaft beim Heiligen Stuhl besucht. Wie das vatikanische Presseamt bestätigte, brachte er im Gespräch mit Botschafter Alexander Awdejew "seine Sorge über den Krieg zum Ausdruck". Russischen Medien zufolge rief der Papst dazu auf, die Menschen zu verschonen.


Gottesdienste in Luftschutzbunkern

Auch mit dem Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk telefonierte Franziskus. Dieser meldete sich darüber hinaus in den vergangenen Tagen mehrfach mit Videobotschaften zu Wort. Am Sonntag sagte Schewtschuk, dass Priester für die Heilige Messe in die Luftschutzbunker kämen. "Die Kirche ist mit den Ihren."

 

Red /KAP