Gedanken zum Tag von Eva-Maria Schmolly-Melk, Referentin für Sekten- und Weltanschauungsfragen.

„Jeden Morgen weckt Gott mein Ohr, damit ich auf ihn höre“ (Jes 50,4). Ein wunderbarer Satz aus der heutigen Lesung. Jeder neue Morgen lässt uns wissen, dass das Leben ein Geschenk ist. Dass es hell wird, dass die Natur erwacht, dass wir atmen. Kein Mensch kann das machen. Das Wesentliche ist uns umsonst gegeben. Gratis.

Uns ist ein neuer Anfang geschenkt. Jeder Morgen birgt eine neue Chance für das, was uns wichtig ist. Weil es Tag und Nacht gibt, müssen wir uns nicht im Grenzenlosen verlieren. Jeder Abend begrenzt den Tag und schenkt uns schon am Morgen ein Ziel. Und jede Nacht mündet in einen neuen Tag. Das ist die Botschaft der Kar- und Ostertage: Kein Leid ist endlos. Auch wenn die Nacht noch so lang erscheint, das Licht des Morgens lässt sich nicht aufhalten.

Jeden Morgen sollen mich deshalb nicht Ängste und Sorgen wecken, sondern jene gute und lebensstiftende Kraft, die hinter allem Leben steht. Diese göttliche Kraft möge uns allen jeden Morgen das Ohr wecken, damit wir nicht auf die Stimme der Verunsicherung und Hoffnungslosigkeit hören, sondern uns bergen im Vertrauen, dass das Leben trägt und uns alle Dinge, so wie sie sind, letztlich zum Guten führen.

Eva-Maria Schmolly-Melk
Referentin für Sekten- und Weltanschauungsfragen

"Gedanken zum Tag" in Kooperation mit den Vorarlberger Nachrichten und vol.at