Die einen halten ihn für überflüssig und wollen ihn abschaffen, die anderen möchten ihn feiern und nutzen, um auf "Frauenprobleme" hinzuweisen. Und die gibt es zuhauf: Lohnschere, (weibliche) Altersarmut, Chancengleichheit und entsprechende Kinderbetreuungseinrichtungen sind nur einige der Themen, die noch in Angriff genommen werden wollen. Anlass darüber zu sprechen gibt, wie jedes Jahr am 8. März, der Internationale Frauentag.

Was denn, ist der heuer schon wieder?, lautete unlängst die Reaktion eines Bekannten auf die Ankündigung des Internationalen Frauentags. Ja, schon wieder. Jedes Jahr, am 8. März, gedenken wir ... ja, was denn nun? Damals, als die Idee eines Weltfrauentags enstand, wollten die Frauen noch die "Einführung des Frauenwahlrechts, Gleichberechtigung und Friede". Und heute? Das Frauenwahlrecht - auch wenn es oftmals unverständlicherweise nicht genutzt wird - wurde in Österreich 1918 eingeführt. Von Frieden können wir in der Alpenrepublik seit dem Kriegsende 1945 sprechen. Bleibt noch die Gleichberechtigung. Da gibt es natürlich das Gleichbehandlungsgesetz von 1979 und die "Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung" von 1998, aber im täglichen Leben?

Halbe halbe?!
Jetzt geht das Gejammer schon wieder los, werden viele die Augen verdrehen. Nein, eigentlich nicht. " Im Kampf gegen unfaire Bezahlung, unfaire Karriereverläufe - zumindest in staatsnahen Betrieben - und gegen unfaire Mehrfachbelastung sei schon einiges erreicht", zieht Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek eine relativ positive Bilanz. Natürlich gebe es noch viel zu tun, aber man sei mit einem "ganz guten Tempo unterwegs". Diese - nennen wir es - positive Einstellung braucht man wahrscheinlich auch: "In der Frauenpolitik kann Frust keinen Platz haben, denn sonst würde nichts weitergehen", so Heinisch-Hosek. Und es muss so viel weitergehen, dass die " Männer die Hälfte der Familienarbeit leisten und nur noch 50 Prozent der Führungspositionen innehaben".

Ein Blick in die Statistik
Pünktlich zum Weltfrauentag  teilt die Statistik Austria neueste Zahlen rund um Einkommen, Kinderbetreuung und Teilzeitarbeit mit. Und die sind erwartungsgemäß nicht eben berauschend. Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer, was sich in niedrigeren Pensionen und einem höheren Armutsrisiko niederschlägt. Einen kurzen Lichtblick liefert die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen, die im vergangenen Jahrzehnt von 59,9 Prozent (2001) auf 66,5 Prozent (2011) stieg. "Kurzer", weil die Zunahme in erster Linie auf einen Anstieg der Teilzeitarbeit zurückzuführen.

Es gibt auch gute Nachrichten
Geduld ist angeblich ja eine Tugend. Und die braucht man auch, wenn man sich die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern ansieht: Bezogen auf die mittleren Bruttojahreseinkommen aller unselbstständig Erwerbstätigen lagen die Einkommen der Frauen 2001 um 40,2 Prozent unter jenen der Männer, 2011 waren es 39,6 Prozent. Wenn jetzt noch die Teilzeit und die nicht ganzjährige Beschäftigung ausgeklammert wird, heißt das zumindest folgendes: Bezogen auf die mittleren Bruttojahresverdienste der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten sank der geschlechtsspezifische Lohn- und Gehaltsunterschied von 22,5 Prozent (2004) auf 18,5 Prozent (2011). Immerhin.

Vergleicht man die auf Bruttostundenverdienste standardisierten Löhne und Gehälter von Voll- und Teilzeitbeschäftigen in der Privatwirtschaft, dann hat sich der "Gender Pay Gap" laut Eurostat von 25,5 Prozent 2006 auf 23,7 Prozent 2011 verringert. Und in Sachen Bildung haben Frauen jedenfalls aufgeholt: 2010/11 wurden 57,7 Prozent der Reifeprüfungen von Frauen abgelegt und 55,5 Prozent der Studienabschlüsse an Universitäten wurden von Frauen erworben.

ZEIT.aus.GLEICH
Das Motto des diesjährigen Internationel Frauentags lautet "ZEIT.aus.GLEICH. Entspannt statt eingespannt." - Schließlich sind Frauen immer einer Doppelt- und Mehrfachbelastung ausgesetzt. Jährlich werden zwei Drittel der 9,7 Mrd. Stunden, die für Hausarbeit, Kinderbetreuung, die Pflege von Kranken oder Gebrechlichen oder ehrenamtliche Arbeit aufgewendet werden, von Frauen geleistet. 92% der Frauen und 74% der Männer verrichten Arbeiten rund um den Haushalt. Frauen in Österreich verrichten täglich 3 Stunden 42 Minuten Hausarbeit, Männer knapp 2 Stunden.

Brot und Rosen ...
Bereits zum 102. Mal jährt sich der Weltfrauentag nun und kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Diese ist gesäumt vom Protest der Textilarbeiterinnen in Lawrence, USA, Arbeiter/innenkämpfen und einer neuen Frauenbewegung. Was das alles mit Brot und Rosen zu tun hat, können Sie hier nachlesen.
Eine Geschichte des Weltfrauentags - kompakt auf zwei Seiten, können Sie zudem hier herunterladen.

Ein Artikel, der in den letzten Tagen öfters Gespräch und auch Gegenstand von Kritik war, soll anlässlich des Frauentages zumindest erwähnt werden: In "Miss Verstanden"  erläutert Elisabeth Raether warum Frauen "gewalttätig, eitel, verlogen, unbeherrscht, habgierig, herablassend, unbelehrbar, fahrlässig, grob, laut, unordentlich, niederträchtig, egozentrisch (sind)" Und genauso böse wie Männer. (red/standard/internationalerfrauentag.at)

Und last but not least hat der Weltfrauentag nun auch eine "eigene Homepage": www.internationalerfrauentag.at