Der „Schutz der Würde und des Lebensrechtes schwerstkranker und sterbender Menschen“ erfordere ein „klares Nein zu assistiertem Suizid als einer Form der ‚Sterbehilfe‘“ - das erklärten die Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) und der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) zur Sterbehilfediskussion in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Ein klares Nein zu assistiertem Suizid als einer Form der Sterbehilfe und ein großes Ja zum  Ausbau und der strukturellen Absicherung einer flächendeckenden, für alle zugänglichen Hospiz- und Palliativbetreuung - das brachten die großen Katholikenorganisationen in Deutschland und Österreich in einer am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme zum Ausdruck. In Vorarlberg  eröffnet die Caritas der Katholischen Kirche Vorarlberg in der Mehrerau 2016 das erste stationäre Hospiz des Landes.

Verboten
In beiden Ländern ist Tötung auf Verlangen (aktive Sterbehilfe) verboten. In Österreich ist Suizidbeihilfe nicht erlaubt, von manchen wird allerdings eine Lockerung dieses Verbotes verlangt. Zudem wird in Österreich derzeit über eine Verankerung des „Grundrechtes auf ein Sterben in Würde“ und des Verbots der aktiven Sterbehilfe in der Verfassung beraten, wofür u. a. die österreichischen katholischen Bischöfe eintreten.

Die dazu eingesetzte Parlamentarische Enquete-Kommission wird am 7. November ihre erste öffentliche Anhörung abhalten. In Deutschland ist Beihilfe zur Selbsttötung nicht geregelt bzw. nur Ärzten in ihrem Standesrecht weitgehend verboten, ein gesetzliches Verbot wird derzeit intensiv debattiert. Der deutsche Bundestag wird sich am 13. November in einer Plenumsdiskussion mit dazu vorliegenden Gesetzesentwürfen der Parteien befassen.

Zu eigenen Bedingungen "gehen"
Befürworter der Beihilfe zur Selbsttötung berufen sich auf das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen. Dieses sei „selbstverständlich in Übereinstimmung mit dem christlichen Menschenbild hoch zu achten“, heißt es in der Stellungnahme von KAÖ, AKV und ZdK. Die drei Laienorganisationen betrachten es allerdings als ein „verkürztes Verständnis von Selbstbestimmung“, wenn deren Inbegriff die Freiheit zur Selbsttötung wäre.

Würde Beihilfe zur Selbsttötung zur gesellschaftlich akzeptierte Normalität, wäre das Lebensrecht hilfs- und pflegebedürftiger Menschen in der Endphase ihres Lebens infrage gestellt, so die Warnung. Betroffene kämen unter Rechtfertigungsdruck, warum sie diese Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen. „Ihre Würde und ihr Lebensrecht werden so missachtet und gefährdet“, so KAÖ, AKV und ZdK in der Aussendung.

Willensäußerung „gefährdet“
Damit gefährde die Erlaubnis der Suizidbeihilfe genau jene freie Willensäußerung schwerstkranker und sterbender Personen, die sie zu schützen vorgebe. Auch Menschen, die in gesunden Tagen die Absicht äußerten, unter bestimmten Umständen eine Beihilfe zum Suizid in Anspruch zu nehmen, „können kurz vor dem Tod zu einer anderen Überzeugung gelangen“.

Eine Zulassung oder Duldung jeder organisierten Beihilfe zur Selbsttötung hätte nach Überzeugung der Katholiken-Organisationen auch fatale Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis: „Das Vertrauen, dass Ärzte dem Leben verpflichtet sind und nicht dem Töten oder der Beihilfe zum Selbsttötung, wäre untergraben“, hieß es weiter. (red/religion.orf.at)