Gedanken zum Tag von Heidi Liegel, Pastoralassistentin in Altach.

Momentan bricht Vieles von dem, was wir als Normalität kennen, zusammen. Das eigene Leben muss radikal umgestellt werden. Vieles, das für uns selbstverständlich ist - zu arbeiten, in die Schule zu gehen, mit der Familie zu sein - geht plötzlich nicht mehr.

Aber diese Situation birgt auch die Chance, den Alltag zu durchbrechen. Unter meinen Kindern höre ich des Öfteren: Das, was du mir angetan hast, zahle ich dir zurück. Ein Gedanke eröffnet eine andere Perspektive: Jesus wird gefragt, wie oft man vergeben soll. Er antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“ (Mt 18,22)

Wer vergibt und Vergebung annehmen kann, wird befreit. Und dies ist sicherlich eine der schwersten Aufgaben. Doch die Schuld, der Schmerz, das Erstarrte kann durch Vergebung auf beiden Seiten gelöst werden.

Vergebung ermöglicht Neuanfänge. Und vielleicht kann so mancher von uns diese Tage nutzen, darüber nachzudenken, wo ich selbst Vergebung brauche oder vergeben kann.

Heute denke ich besonders an jene Menschen unter uns, die nicht bei ihrer Familie sein können. Ich wünsche uns, dass diese Tage der Isolation auch Tage des Vergebens werden.

Heidi Liegel
Pastoralassistentin in Altach

"Gedanken zum Tag" in Kooperation mit den Vorarlberger Nachrichten und vol.at.