Für seinen Einsatz für Recht und Gerechtigkeit erhielt Dom Erwin vergangenen Sonntag den "Memminger Freiheitspreis 1525".

Erwin Kräutler, langjähriger Bischof der brasilianischen Amazonasdiözese Xingu, hat den mit 15.000 Euro dotierten "Memminger Freiheitspreis 1525" erhalten. Der Ordensmann nahm die Auszeichnung am Sonntag in Memmingen aus den Händen von Oberbürgermeister Ivo Holzinger entgegen. Kräutler gilt als einer der wichtigsten Kämpfer für die Rechte indigener Völker in Lateinamerika sowie für den Schutz des Regenwaldes.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nannte Kräutler in seiner Laudatio ein Vorbild für die Verwirklichung von Recht und Gerechtigkeit. Der Amazonas-Bischof habe sich mutig und wirksam für die Landlosen in Brasilien, die Indios sowie für den Urwald in Amazonien eingesetzt. Er sei auch für viele Protestanten eine "Quelle der Inspiration". Als Vertreter der Befreiungstheologie habe er ihm persönlich wesentliche Anstöße gegeben, so der EKD-Ratschef, der selbst in Memmingen geboren wurde und dort einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte.

Das Verlangen nach Recht und Gerechtigkeit der Memminger Bauern, an die die Auszeichnung erinnert, gelte bis heute; es stehe allen zu, "ob Mann, ob Frau, ob weiß oder Indio, ob reich oder arm", betonte Bedford-Strohm. Die Christen seien in der tätigen Nächstenliebe weit über die Konfessionsgrenzen hinaus vereint. "Wenn wir uns als Kirchen in Deutschland in diesen Tagen für Geflüchtete, Notleidende oder Arme einsetzen, dann stoßen wir damit auch auf Widerspruch. Wir können aber gar nicht anders", so bayerische Landesbischof.

Das Engagement für die Schwachen sei eine Konsequenz der "untrennbaren Verbindung von Gottesliebe und Nächstenliebe", die den Kern des christlichen Glaubens ausmache, fügte Bedford-Strohm hinzu. Dies gelte jenseits der politischen Diskussionen um die konkrete Umsetzung der damit verbundenen Impulse.

Kräutler erinnerte in seinen Dankesworten, dass im frühen 16. Jahrhundert, zur Zeit der Abfassung der Memminger Artikel, für die Indios in Brasilien die "Zeit des Leidens und des Schmerzes" begonnen habe. Sie seien über Jahrhunderte hinweg ausgegrenzt, verfolgt und getötet worden. "Sieben Millionen Menschen wurden zu 300.000", beklagte der emeritierte Bischof. Er verwies auf Bestrebungen im brasilianischen Nationalkongress, die inzwischen in der Verfassung verankerten Rechte der indigenen Völker wieder zu beschneiden. "Unser Kampf geht weiter."

Preis erinnert an "Bauernartikel"

Der Memminger Freiheitspreis wird seit 2005 vergeben. Zu den Trägern der Auszeichnung gehörten der frühere ungarische Ministerpräsident Gyula Horn, der Schriftsteller Reiner Kunze und die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai. Der Preis erinnert an die im März 1525 von der Kramerzunft der damaligen Reichsstadt abgefassten "Zwölf Bauernartikel", die bei der Preisverleihung an Kräutler verlesen wurden. Sie gelten als erste demokratische Verfassungsurkunde auf deutschem Boden. In den Artikeln werden Grund- und Menschenrechte gefordert und formuliert, wie sie in Deutschland erst 300 Jahre später in der Paulskirchenverfassung von 1848 wieder aufgenommen wurden.

Kräutler war bis zu seiner Emeritierung im Dezember 2015 Bischof von Xingu, der flächenmäßig größten Diözese in Brasilien. Er wurde 1939 in Vorarlberg geboren und ging 1965 als junger Ordenspriester nach Brasilien. 1981 übernahm er die Leitung der Diözese Xingu. Kräutler steht seit Jahren unter Polizeischutz, weil ihn die sogenannte Holzmafia mit dem Tod bedroht. Der Geistliche, Mitautor der päpstlichen Umwelt-Enzyklika "Laudato si", erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Alternativen Nobelpreis und den bayerischen Naturschutzpreis.

kathpress