Sie tanzen, sie hungern und verfassen Petitionen. Eine Tänzerin und zwei Bürgermeister setzen sich unabhängig voneinander für mehr Menschlichkeit ein, damit die überfüllten Flüchtlingslager hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.

"Ich kann nicht mehr nichts tun. Ich habe die Bilder der hungernden, frierenden Kinder im Flüchtlingslager Kara Tepe gesehen. Sie lassen mich nicht mehr los. Wir müssen diese Kinder aus diesem Inferno, aus dieser Hölle holen. JETZT", findet Claudia Grava klare Worte für die aktuelle Flüchtlingssituation. Die Tänzerin hat das Projekt dance.pray.care ins Leben gerufen, um auf die Situation der Flüchtlinge in Griechenland aufmerksam zu machen. Mit einer Petition sammelt sie UnterstützerInnen. Über 1.100 Stimmen hat sie bereits. 2000 sollen es werden. Ihre Forderung: „Herr Bundeskanzler, ermöglichen Sie die Aufnahme von geflüchteten Kindern aus dem Lager Kara Tepe in Österreich!“

Eine unbeschwerte Kindheit sieht anders aus

Die Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern in den Flüchtlingslagern "gestrandet" sind, können nichts für ihre Situation, schreibt sie. Viele von ihnen sind krank. Vielen wurde Gewalt angetan. Viele hungern. Eine unbeschwerte Kindheit sieht auf jeden Fall anders aus. "Sie können nichts für das Versagen der europäischen Regierungen, eine gemeinsame, menschliche Lösung zu finden", betont Grava und fordert alle zum Handeln auf. Vor allem auch die Regierung.

Hungern und Tanzen

Grave selbst ist in einen Hungerstreik getreten um auf die Not der Kinder aufmerksam zu machen. Von 20. März bis 2. April streikt sie, mit einem Tanzgebet drückt die Künstlerin jeden Tag um 16 Uhr ihre Anliegen aus: die Sorge um die Kinder, die in Griechenland hungern und frieren, ihren Protest gegen das Versagen der europäischen Regierungen. Bis zu 600 Personen pro Tag folgen via facebook oder instagram diesem Tanzgebet. Zum Abschluss ihres Streiks, findet das dance.pray.care Tanzgebet am 1. April öffentlich statt. Unter Einhaltung der Corona-Auflagen natürlich.

Pure Menschlichkeit statt Migrationspolitik

Auch zwei Vorarlberger Bürgermeister haben sich zu der Thematik Gedanken gemacht und eine Petition für die Aufnahme von Flüchtlingen gestartet, die sich an ihre AmtskollegInnen richtet. Es gehe um pure Menschlichkeit, nicht um Migrationspolitik, betonen die beiden blauen Bürgermeister von Hohenems und Nenzing, Dieter Egger und Florian Kasseroler,  zu ihrer aus parteipolitischer Sicht überraschenden Initiative. In der Petition fordern sie die Bundesregierung auf, ihre Haltung in der Flüchtlingsfrage zu überdenken. Viel Zuspruch haben die Männer bislang aber nicht aus den eigenen Reihen erhalten - auch der Gemeindeverband erachtet das Thema zwar alss wichtig, sich selbst aber nicht zuständig.

dance.pray.care Tanzgebet für die Flüchtlingskinder von Kara Tepe

Donnerstag, 1. April 2021, 16 Uhr
Marktplatz Dornbirn