Das Thema Flüchtlinge wird Europa noch eine ganze Weile begleiten, so viel ist schon mal klar. Während derzeit noch versucht wird die Flüchtlinge unterzubringen, nähert sich schon die nächste Herausforderung im Großformat: Integration. "Wenn die Quartierkrise von heute nicht zu einer Integrationskrise von morgen werden soll, werden wir schon bald so etwas wie eine doppelte Integration benötigen", appelliert Caritas-Präsident Michael Landau die "neuen Mitbürger" auch als Chance zu begreifen .

Der Bildungs- und Arbeitsbereich sind es, die die ÖsterreicherInnen in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren begleiten werden. Denn auch wenn aktuell Unterkünfte für die zigtausend Flüchtlinge gesucht werden - irgendwann werden auch viele von ihnen in Österreich ein Zuhause gefunden haben und bleiben. Die Asylantragszahlen steigen - eine Tatsache, die viele ÖsterreicherInnen verunsichert. Angst vor dem Fremden macht sich breit. Dabei kann, nein sollte man die "neuen Mitbürger" auch als Chance sehen, appelliert Landau an die Weltoffenheit seiner Landsmänner und -frauen.

Als Chance sehen
Natürlich stehe man gemeinsam mit Politik und Zivilgesellschaft vor einer "großen Herausforderung", sagte der Caritas-Präsident, aber die Asylbewerber können auch als Segen gesehen werden.  "Etwa wenn es um die Entlastung der Sozialsysteme durch junge Zuwanderer oder um dringend benötigte Facharbeitskräfte geht". Schon heute wäre die Pflege in den Senioren- und Pflegewohnhäusern ohne Menschen mit Migrationshintergrund nicht denkbar.

Ab dem positiven Bescheid "auf sich alleine gestellt"
Die Caritas legt im Bereich Integration einen Schwerpunkt auf die "kritische Phase" des Überstiegs vom Status des Asylwerbers hin zum anerkannten Flüchtling. Grundsätzlich dürften Flüchtlinge ab dem Erhalt eines positiven Bescheids noch vier Monate in der Grundversorgung bleiben, "dann sind sie auf sich alleine gestellt", so Karin Abram, Leiterin der Caritas-Stabsstelle "Innovation und Projekte". In dieser Zeit müsse viel passieren, von der Arbeits- bis hin zur Wohnungssuche. "Besonders kritisch" sieht Abram die Wohnungssuche, vor allem im Stadtbereich, wo es nur wenig billigen Wohnraum gebe.

Lerncafes
Ein Schlüssel zu erfolgreicher Integration sei der Spracherwerb. Die Caritas setzt hier vor allem auf ihre Lerncafes. In den 34 österreichweiten Einrichtungen - davon 5 in Vorarlberg - unterstützen Freiwillige Kinder und Jugendliche beim Lernen, den Hausaufgaben und bei der Vorbereitung auf Schularbeiten. "Dieses Angebot wollen wir deutlich ausbauen, denn der Spracherwerb motiviert zu einem positiven Schulabschluss und macht Lust auf Bildung", so Abram. Über die Kinder erreiche man schließlich auch die Eltern, die so über Aspekte des Lebens in Österreich informiert werden könnten.
Weitere Informationen zu den Lerncafes in Vorarlberg finden Sie hier.

Von der Politik wünscht sich Abram mehr finanzielles Investment. Es sei Aufgabe der öffentlichen Hand, hier entsprechende Regelstrukturen zu schaffen. Es gebe gut ausgebildete Flüchtlinge, deren Bildungsabschlüsse anerkannt werden müssten. Es brauche aber auch Angebote für Flüchtlinge ohne entsprechende Qualifikationen.

Das Potential sehen
Landau verwies auf das "große Kapital", das in der Arbeitskraft der Menschen liege, etwa zur Deckung des Bedarfs in der Gesundheitsversorgung, Pflege oder bei den Facharbeitskräften. Viele der Ankommenden brächten "eine ganze Menge Qualifikationen mit, die für Österreich hilfreich sein könnten", berichtete Landau über seine Erfahrungen aus Gesprächen mit Flüchtlingen. Viele Syrer seien gut ausgebildet dank des früher ausgezeichneten Bildungssystems in ihrer Heimat. (red/kathpress)