Gleich 51 Empfehlungen hat die Enquetekommission zum Thema "Würde am Ende des Lebens" abgegeben. Der Bericht stimme "hoffnungsvoll und optimistisch, dass jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden", zeigt sich die Caritas zufrieden. Denn: "36 Millionen Euro sollen in den kommenden zwei Jahren in Angebote für Hospiz - und Palliativversorgung investiert werden (...) mit dem so wichtigen Fokus auf Angeboten für Kinder und Jugendliche".

Vier Mal hat die parlamentarische Enquete-Kommission zur Würde am Ende des Lebens, bestehend aus einer Auswahl an ParlamentarierInnen und ExpertInnen, von November 2014 bis Jänner 2015 öffentlich getagt. Diese Woche wurde das Positionspapier präsentiert, das die Zustimmung aller sechs Fraktionen erhielt.

Und das steht drin
Die darin enthaltenen insgesamt 51 Empfehlungen verfolgen im Wesentlichen zwei Zielrichtungen: Zum einen sollen Hospiz- und Palliativversorgung nachhaltig abgesichert und ausgebaut werden, wobei, wie ausdrücklich festgestellt wird, Kompetenzfragen und Finanzierungsstrukturen kein Hindernis darstellen dürfen. Zum anderen wird dazu aufgerufen, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht rechtlich weiterzuentwickeln und durch Senkung der Zugangshürden attraktiver zu gestalten. Offen bleibt die Frage der Sterbehilfe. Hierbei handle es sich um eine rein rechtspolitische Entscheidung, heißt es im Papier unter Hinweis auf das diesbezügliche breite Meinungsspektrum.

36 Millionen
"Als Caritas sind wir überzeugt, dass Menschen nicht durch die Hand eines Anderen, sondern an der Hand eines Anderen sterben sollen. Der Kurzbericht der Enquetekommission stimmt hoffnungsvoll und optimistisch, dass jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden: 36 Millionen Euro sollen in den kommenden zwei Jahren in Angebote für Hospiz - und Palliativversorgung investiert werden, auf allen Ebenen, stationär und mobil, mit dem so wichtigen Fokus auf Angeboten für Kinder und Jugendliche", so Caritas Generalsekretär Bernd Wachter.

Zersplittert und unübersichtlich
Derzeit sei die Finanzierung der Hospiz -und Palliativversorgung mit Ausnahmen der Palliativstationen in den Krankenhäusern "zersplittert, unübersichtlich und nicht gesichert". Es sei ein wichtiger Schritt, "dass im vorliegenden Bericht erstmals die österreichweite gesicherte Regelfinanzierung klar als Ziel formuliert wird."Die Begleitung Sterbender in Österreich dürfe nicht länger von Spenden abhängen.

Zukunftsmusik
Erstmals soll es einen "zweckgewidmeten qualitätsgesicherten Sondertopf im Pflegefonds" für stationäre Hospizversorgungen geben. "Leider bleibt die Finanzierung für mobile Hospizversorgung, wie auch für die Tageshospize ungeklärt - auch hier sind dringend Mittel etwa für die psychosoziale Betreuung nötig, um ehrenamtliche MitarbeiterInnen zu entlasten und professionell zu begleiten, die dort eine ganz wichtige Arbeit verrichten. Für sie ist immerhin vorgesehen, dass sie verstärkt von der öffentlichen Hand Unterstützung für Lehrgänge und Befähigungskurse erhalten sollen. Auch die Fort- und Weiterbildung speziell ausgerichtet für Führungskräfte ist positiv hervorzuheben", analysiert Wachter.

Zuständigkeiten klar definieren
Der Bericht umfasst neben dem Ausbau der Hospiz -und Palliativversorgung eine breite Palette an Themen wie Ausbildung, Forschung, Versorgung zu Hause und Patientenverfügung. In einigen Punkten bleibt er allerdings konkrete Antworten auf drängende Fragen schuldig: "Noch nicht explizit ausgeführt ist, ob das vorgesehene Hospiz- und Palliativforum die Gesamtsteuerung und Gesamtverantwortung übernehmen wird. Aus Sicht der Caritas ist es aber unbedingt erforderlich, dass Zuständigkeiten klar definiert sind. Die betroffenen Menschen müssen wissen, wohin und an wen sie sich im Notfall wenden können", fordert Bernd Wachter.

Rechtsanspruch auf Palliativversorgung notwendig
Ebenfalls unklar bleibt im aktuellen Bericht, wie der Rechtsanspruch auf Hospiz- und Palliativversorgung im mobilen Bereich bzw. außerhalb des Krankenhauses, also beispielsweise bei den stationären Hospizbetten oder Tageshospizen umgesetzt werden wird. Wachter dazu: "Nur ein solcher Rechtsanspruch kann sicherstellen, dass der Zugang zu Hospiz und Palliativversorgung allen Menschen möglich ist. Es kann nicht sein, dass sich ein Mensch in Österreich am Ende seines Lebens die für ihn nötige Betreuung nicht leisten kann!" (red/apa)

Den Bericht zum Nachlesen finden Sie hier