Das Jahr ist noch jung, die Terminkalender jungfräulich – einen besseren Zeitpunkt für Anpassungen kann es also kaum geben. Vielleicht hat sich das auch Papst Franziskus gedacht, als er den Welttag des Migranten und Flüchtlings auf den zweiten Sonntag im September verlegen ließ. Der nächste Termin ist damit der 8. September 2019.

Heuer feiert man allerdings noch wie bisher üblich am zweiten Sonntag im Jänner mit einer großen Messe im Petersdom und anschließendem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz – bereits zum 104. Mal.

Den anderen verstehen lernen

In seiner Predigt nahm Franziskus beide Seiten – Geflüchtete und Aufnehmende – in die Pflicht: Zweifel und Ängste zu haben sei keine Sünde, so der Papst. Es sei jedoch Sünde, „zuzulassen, dass diese Ängste unsere Antworten bestimmen“. Ängste dürften weder unsere Entscheidungen bedingen, noch den Respekt und die Großherzigkeit in Mitleidenschaft ziehen, die Ablehnung nähren oder Hass schüren. Migranten rief er dazu auf, die Gesetze, die Kultur und die Traditionen der Aufnahmeländer kennenlernen und achten, sich zu integrieren und Vorbehalten mit Verständnis zu begegnen. Den örtlichen Gemeinschaften gab er mit, „sich ohne Vorurteile dem Reichtum der Verschiedenheit zu öffnen, die Möglichkeiten und Hoffnungen der Neuangekommen zu verstehen wie auch ihre Verletzlichkeit und ihre Furcht“.

Gelebte Begegnung im Gottesdienst

Wie das funktionieren kann, zeigte der Gottesdienst selbst: Laut Vatikan nahmen mehrere Tausend Migranten und Flüchtlinge teil; einige von ihnen trugen landestypische Kleidung. Die Fürbitten wurden von Migranten und Flüchtlingen aus Nigeria, China, Indien, der Ukraine und Äthiopien gesprochen, Gesänge und Musik in verschiedenen Sprachen umrahmten und begleiteten die Feier.

Papst auf dem Weg nach Südamerika

Das gute Miteinander wird den Papst auch auf seiner Reise durch Lateinamerika begleiten, zu der er am Montag aufgebrochen ist. Vom 15. bis 21. Jänner besucht Franziskus die Andenstaaten Chile und Peru. Beide Länder stehen vor dem Hintergrund sozialer Spannungen und politischer Führungswechsel an Weggabelungen für die gesellschaftliche Zukunft und haben noch schwer an ihrer jeweiligen Geschichte von Militärdiktatur und Autokratie zu tragen.

Quelle: kathpress.at (1 | 2 | 3) / red