Genau ein Jahr ist es heute auf den Tag her, dass die Textilfabrik Rana-Plaza in Bangladesch zusammenstürzte und tausende Menschen unter sich begrub. 1138 Menschen wurden dabei getötet, 2438 verletzt. Die Bilanz nach diesem Unglück ist gemischt. Zwar haben viele internationale Firmen einem strengen Sicherheitsabkommen zugestimmt, in den Hilfsfonds wollen viele aber dennoch nicht einzahlen.

Wenn die Menschen, die lebend aus den Trümmern geborgen werden konnten, vom Einsturz des Rana Plaza Gebäudes erzählen, läuft es einem kalt den Rücken runter. Zum Teil tagelang mussten sie, eingeklemmt zwischen Beton, in der Dunkelheit ausharren, bis die Helfer sie endlich bergen konnten. Viele von ihnen wurden dabei verletzt - wie Pakhi Begum, die hier für westliche Firmen genäht hatte. Sie überlebte, ihre Beine aber konnten nicht gerettet werden. 

Einendes Schicksal
Ein Schicksal, das viele ehemalige ArbeiterInnen des Rana Plaza teilen. Die Witwe Shila Begum beispielsweise arbeitete in der Fabrik als Näherin, um sich und ihre Tocher durchbringen zu können.  Als der Bau am 24. April 2013 einstürzte war Shila einen ganzen Tag unter den Trümmern begraben. Schließlich konnte sie gerettet werden. Sie erlitt schwere Quetschungen und musste operiert werden. Noch heute ist ihr Arm geschient. Als Näherin kann sie mit dieser Einschränkung nicht mehr arbeiten. Die Aufforderung der ehemaligen NäherInnen an die Firmen, für die Entschädigung der Opfer aufzukommen, ist bislang nicht wirklich auf fruchtbaren Boden gefallen.

Rana Plaza Arrangement
Ein Jahr nach der Katastrophe gibt es zwar einen Fonds für die Abwicklung der Entschädigungszahlungen, der unter der Aufsicht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ins Leben gerufen wurde. Die Richtlinien des sogenannten „Rana Plaza Arrangement", wurden von Textilunternehmen, Regierungsvertretern Bangladeschs, lokalen und internationalen Gewerkschaften sowie der Clean Clothes Kampagne ausgearbeitet. Bis dato haben aber lediglich die Hälfte der 29 in Rana Plaza produzierenden Unternehmen in den Entschädigungsfond eingezahlt. Geld, das dringend für Operationen, Arztbesuche sowie einen Teil des Lohnes benötigt werden würde, damit die Versehrten unter den früheren Näherinnen weiter ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Beschämend
„Es ist beschämend, dass bis zum Jahrestag von den 29 Millionen Euro noch 18 Millionen ausständig sind, die nötig wären, um alle Betroffenen für ihre Einkommensverluste und medizinischen Kosten finanziell zu entschädigen. Diese 18 Millionen Euro entsprechen rund 0,2% der gemeinsamen Gewinne der Unternehmen im letzten Jahr und fehlen den Betroffenen in Bangladesch jeden Tag im Kampf ums Überleben!“ so, Michaela Königshofer, Leiterin der österreichischen Clean Clothes Kampagne. „Marken wie Benetton, NKD oder Adler Modemärkte, machen in Österreich gute Gewinne. Sie haben es nicht nur verabsäumt, sicherzustellen, dass sie in sicheren Zulieferbetrieben nähen lassen, sondern lassen jetzt auch noch die Opfer und Hinterbliebenen im Stich!“ kritisiert Königshofer.

Was tun?
Thomas Haunschmid von CARE Österreich ist überzeugt: „Boykottieren hilft jedenfalls nicht. Denn die Gewerkschaften in den Herstellerländern setzen auf die verändernde Macht der Konsumentinnen und Konsumenten. Wichtiger ist, Bewusstsein für unsere Verantwortung für faire Arbeitsbedingungen schaffen, Filialleitungen der Modegeschäfte hartnäckig zur Herkunft der Bekleidung befragen und Kampagnen für faire Löhne unterstützen – also Druck auf Konzerne und Politik machen.“ Aber es sind nicht nur die einzelnen KonsumentInnen, die einen Unterschied machen können. Elisabeth Schinzel von der SO:FAIR Initiative erklärt dazu: „Auch öffentliche Institution können in ihren Ausschreibungen faire Arbeitsbedingungen einfordern. Und so sicherstellen, dass mit Steuergeld keine ausbeuterischen und gefährlichen Arbeitsplätze gefördert werden.“

Unterschreiben
Um die Unternehmen an ihre soziale Verantwortung zu erinnern, wurde auch eine internationale Petition aufgesetzt, die unter www.cleanclothes.at unterschrieben werden kann.  Auf der ganzen Welt machen am Jahrestag von Rana Plaza AktivistInnen und Organisationen auf die fehlende Verantwortung der Textilindustrie aufmerksam.