Er könne "gut verstehen, dass Menschen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft die Eingetragene Partnerschaft zu wenig ist. Dieser Wunsch nach der Ehe ist eigentlich ein schönes Zeugnis für ihre Unvergleichlichkeit. Das ist grundsätzlich etwas sehr Tiefes", betonte Kardinal Schönborn mit Blick auf die Ehe für alle, die ab 1. Jänner 2019 auch in Österreich in Kraft tritt. Befürworten kann er sie in dieser Form, ebenso wie viele katholische Organisationen, aber trotzdem nicht.

Die Niederlanden machten im April 2001 den Anfang, rund 17 Jahre später werden auch in Österreich die Türen geöffnet: Ab 1. Jänner 2019 können sowohl verschieden- als auch gleichgeschlechtlichen Paare die Ehe oder eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. Die Reaktionen sind naturgemäß gespalten  - während die einen sich über die "Gleichberechtigung" freuen, äußern andere Bedenken.

Da bleibt ein Widerspruch

Der Wunsch sei zwar verständlich, dennoch müsse immer beachtet werden, dass Ehe entscheidend mit der "Weitergabe des Lebens" zu tun habe, so Schönborn. Bei der Ehe gehe es auch um die "Generationenfolge der Menschheit, in der wir selber stehen. Die ist ausschließlich möglich in der Verbindung von Mann und Frau." In diesem Zusammenhang erneuerte der Kardinal seine inhaltliche Kritik am VfGH-Erkenntnis über die Ehe. Das Höchstgericht habe "den Bezug auf Mann und Frau gestrichen, aber stehen gelassen, dass das Paar gemeinsam Kinder zeugen will. Da bleibt ein Widerspruch", so Schönborn wörtlich.

Wir haben alle dieselbe Würde

Mit der Ehe für alle steige auch der „Druck auf Zulassung der Leihmutterschaft“, sieht die Österreichische Bischofskonferenz den Gesetzgeber gefordert, "ein klares Verbot von Leihmutterschaft zu erreichen". Kardinal Schönborn selbst sprach von ernsten ethischen Fragen und einer "Entwürdigung der Frau, die verzweckt wird, um den Kinderwunsch anderer zu erfüllen".

Kritik an der Politik kam auch von zahlreichen katholischen Organisationen. Das Institut für Ehe und Familie (IEF) bezeichnete die Argumente der Regierung als "nicht überzeugend", schließlich hätte es mehrere Optionen gegeben. Unter anderem hätte man die Ehe gemäß Artikel 12 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) auf die Verbindung von Mann und Frau beschränken und die Eingetragene Partnerschaft für alle öffnen können. Und auch der Österreichische Cartellverband (ÖCV) sieht mit Blick auf den Schutz von Kindern sowie auf das Thema Leihmutterschaft Handlungsbedarf. (red/kathpress)