Schokolade macht glücklich? Oder doch nur dick? Wir haben mit der Bregenzer Diätologin Julia Berger darüber gesprochen, was Essen mit unserer Stimmung zu tun hat…

Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen jetzt, während der Pandemie, anders essen?

Julia Berger, DiätologinJulia Berger: Es ist ganz unterschiedlich. Ich würde sagen, den meisten fällt es schwerer, sich gesund zu ernähren und essen zum Beispiel häufiger zwischendurch. Es gibt aber auch die, die sich leichter tun, weil sie im Homeoffice weniger Stress haben.

Glauben Sie, dass hinter dem unkontrollierten Nebenbei-essen der Versuch steckt, die Stimmung zu beeinflussen?

Berger: Das denke ich auf jeden Fall. Man isst ja nicht immer nur aus Hunger, sondern auch um andere Bedürfnisse zu befriedigen oder sich „etwas Gutes“ zu tun.

Wenn man „Mood Food“ googelt, kann man sich vor Empfehlungen kaum retten: Die richtigen Fette, Gewürze, irgendwelche Superfoods… was sagen Sie, wenn Sie soetwas hören oder lesen?

Berger: Es ist schon so, dass meistens ein Fünkchen Wahrheit in solchen Empfehlungen steckt, aber man sollte immer hinterfragen: Sind das Erfahrungsberichte, oder gibt’s wirklich wissenschaftliche Literatur dahinter? Und selbst solide Studien werden in manchen Artikeln zu sehr aufgebauscht. Manchmal erhielte man eine gewisse Wirkung zum Beispiel erst, wenn man extrem viel von diesem Lebensmittel äße. Man kann solche Empfehlungen aber natürlich auch für sich ausprobieren und schauen: Wie fühlt sich das für mich an, schmeckt mir das Lebensmittel oder Gericht, passt das in meinen Alltag? Ernährung ist sehr individuell – und auch ihre Wirkung ist nicht bei jedem gleich.

Kann man sich denn glücklich essen?

Berger: Nein, leider nicht. Also, man zumindest nicht nur durch eine spezielle Ernährungsweise oder ein spezielles Lebensmittel. Natürlich sind in Lebensmitteln Stoffe enthalten, die gebraucht werden, um Glückshormone wie Serotonin herzustellen. In Schokolade und Bananen zum Beispiel die Aminosäure Tryptophan. Aber allein, dass man davon isst, heißt nicht, dass der Körper automatisch mehr Serotonin herstellt.

Also macht Schokolade doch nicht glücklich?

Berger: Wie gesagt: Es hängt nicht alleine von der Menge des aufgenommenen Tryptophans ab, wie viel Serotonin daraus gebildet wird. Aber wenn man gern Schokolade isst, kann es natürlich schon guttun, bewusst zwei, drei Stücke zu genießen. Dann werden nämlich andere Stoffe ausgeschüttet wie das „Glückshormon“ genannte Dopamin. Es ist halt wichtig, dass etwas wie Schokolade nicht immer dazu verwendet wird, um sich besser zu fühlen.

Inwiefern beeinflusst, wann und wo und wie wir essen, wie zufrieden uns eine Mahlzeit macht?

Berger: Das kann sehr viel bewirken. Wenn man zum Beispiel vorm Fernseher isst, hat man ein viel geringeres Genusserlebnis, als wenn man sich hinsetzt und das Essen bewusst und achtsam zu sich nimmt. Auch nette Gesellschaft oder sich die Mahlzeit schön auf dem Teller anzurichten tragen dazu bei, dass man mehr genießt und so auch mehr Zufriedenheit beim Essen empfindet. Und es hilft auch dabei, dem unbewussten Zwischendurch-Snacken vorzubeugen.

Wenn man es also doch wieder auf die eine Regel runterbrechen wollte, wäre es dann etwas so Simples wie „Höre auf dich und deinen Körper“?

Berger: Genau. Aber das dafür nötige Maß an Selbstwahrnehmung fällt vielen schwer. Es ist wesentlich einfacher, sich an „die“ neue Regel zu halten – und drum springt man da ja auch immer wieder darauf an. Zu lernen, seinen eigenen Körper zu hören, braucht Zeit, und ein Gespür, man muss sich da wirklich mit sich selber beschäftigen. Aber es zahlt sich aus, wenn man‘s macht. Man profitiert ein Leben lang…

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