Zehn Jahre gibt es die Dorfwährung „Langenegger Talente“. Das feiert man am Samstag mit einem Filmfest...

Skeptiker haben der Sache vermutlich kein Jahr gegeben: Dieser Idee, mit dem neuen Dorfladen in Langenegg gleich eine eigene Währung einzuführen. Geld, das ein bisschen aussieht wie das von Monopoly und einen komischen Namen trägt. Tatsächlich feiern die „Langenegger Talente“ heuer ihr zehnjähriges Jubiläum – und einen nachhaltigen Erfolg.

Dabei kam man von ganz unten: Ein „Bauernsterben“, löchrige Infrastruktur und fehlende Arbeitsplätze hatten dem Wälderdorf in den 1990er Jahren gehörig zugesetzt. Die Zukunftsaussichten: düster. Bis eine Gruppe das Jammern satt hatte und die Sache mit dem „Lebenswert Leben“ im 1100-Seelen-Ort selbst in die Hand nahm.

Heute hat Langenegg eine optimale Nahversorgung, ein kleines Gewerbegebiet, hunderte neue Arbeitsplätze, eine soziale Infrastruktur, von dem auch das Umland profitiert, eine nachhaltige Energieversorgung und ganz viel Lebensqualität. Daran sind auch diese Talente schuld.

Viele, viele bunte Scheine

„Die bunten Scheine, die mittlerweile in der vierten Serie aufliegen, sind aus dem Dorf nicht mehr wegzudenken“, erklärt Gernot Jochum-Müller, Obmann der ALLMENDA Social Business eG, die die Dorfwährung betreut. „Aber am Anfang haben sie für viel Fragen gesorgt – und wichtige Gespräche.“

Gespräche darüber, was einem der kurze Weg zum Einkaufen, zum Arzt, zum Nachbarn wert sind, zum Beispiel: „Die Talente helfen dabei, das Bewusstsein für die Kreisläufe im Dorf zu verstehen und die Kaufkraft hier zu binden“, sagt Klaus Natter, Pächter des Dorf-ADEG. So zahlt die Gemeinde alle Förderungen in Talenten aus, was dazu führt, dass auch die Vereine viel vor Ort investieren. 680.160 Euro blieben so 2017 im Dorf, 5,6 Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren.

„Diese Mehreinnahmen für die Gemeinde sorgen dafür, dass weitere Projekte realisiert werden und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden können“, weiß Natter: „Eine gute Infrastruktur macht einen Ort interessant und lebenswerter.“ Dafür wurde Langenegg 2010 mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet und gilt seither als Best-Practice-Beispiel für nachhaltige Regionalentwicklung.

Ein Diebstahl, der niemandem schadet

Und dann ist da ist noch die Geschichte von dem Dieb, der vor fünf Jahren ins Gemeindeamt einbrach und 1.800 Euro erbeutete – in Talenten. „Unser Vorteil“, gab der damalige Bürgermeister Georg Moosbrugger zu Protokoll: „Der Dieb ist gezwungen seine Beute an den Tatort zurückzubringen – und damit die Langenegger Wirtschaft zu beleben.“

Gelegenheit dazu hat er an 18 Orten – vom Postlädele, der offiziellen Talente-Ausgabestelle, über das Panorama-Café bis hin zum Friseur, Tischler und Spezialitätengeschäft. 360 Haushalte nutzen die Dorfwährung regelmäßig – und sparen dabei 3 Prozent gegenüber dem Wert in Euro.

Langenegger Filmfest am 14. April

Anlässlich des 10 Jahre Jubiläum der Langenegger Talente und des Dorfladen Langenegg organisiert das Talente-Team in Zusammenarbeit mit Vereinen und Sponsoren ein Filmfestival:

14. April 2018 im Dorfsaal

Filme: 
17:00 Uhr More than Honey
19:00 Uhr Tomorrow
21:30 Uhr Wie im Himmel

Freier Eintritt, Freiwillige Spenden.Für Häppchen und Getränke in den Filmpausen ist gesorgt.

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