Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, erreichen auf ihrer Flucht u. a. Österreich. Traiskirchen ist hier ein erstes Stichwort. Aber was kommt danach? Gebhard Barbisch, Liegenschaftsmanager der Diözese Feldkirch, ist seit Kurzem diözesaner Koordinator für Flüchtlingsquartiere - und hat alle Hände voll zu tun.

von Veronika Fehle

Kurz zusammengefasst - wie darf man sich die Arbeit des Diözesankoordinators für Flüchtlingsquartiere vorstellen?
Als Koordinator versuche ich, das Wohnungsangebot von Pfarren, Klöstern aber auch privaten Anbietern auf der einen Seite mit dem Wohnungsbedarf, der auf der anderen Seite von der Caritas definiert wird, zu koordinieren. Dabei ist es nicht immer einfach die teils unterschiedlichen Vorstellungen unter einen Hut zu bringen In Zusammenarbeit mit der Caritas und dem Landeshochbauamt sind wir bemüht, jedes Angebot in möglichst kurzer Zeit zu besichtigen und zu beurteilen. Es ist uns besonders wichtig allen Anbietern auch entsprechende Rückmeldungen zu geben.Vor allem dann, wenn ein Angebot nicht angenommen werden kann, muss das gut und sachlich argumentiert werden. Nicht begründete oder sachlich nicht fundierte Ablehnungen müssen der Vergangenheit angehören und werden von meiner Seite auch nicht mehr akzeptiert.

Vielerorts hört man immer wieder den Vorwurf „die Kirche tut ja nichts bzw. zu wenig“. Ganz konkret also, wie sieht es mit der Belegung der leerstehenden Pfarrhöfe aus?
Wir haben alle Pfarrhöfe und pfarrlichen Wohnungen in Vorarlberg geprüft. Von den bisher geprüften 156 Liegenschaften stehen derzeit allerdings nur 46 zur Verfügung. Einige davon sind schlicht und einfach nicht bewohnbar. In den letzten Jahren wurden zudem die Pfarren immer wieder darauf hingewiesen, ihre Wohnungen zu vermieten. So haben wir heute an vielen Orten die Situation, dass kirchlicher Wohnraum zum Beispiel an junge Familien vermietet wurde. Aber die Zahlen sprechen doch auch für sich, denn mit heutigem Datum sind bereits in 15 kirchlichen Gebäuden und Wohnungen Flüchtlinge untergebracht.

Wieviel Spielraum nach oben ist da noch?
Weitere Objekte stehen uns aufgrund anderweitiger vorübergehender Nutzung erst in den kommenden Monaten zur Verfügung. Wieder andere werden auf allfälligen Renovierungs- bzw. Adaptierungsbedarf überprüft. Was man aber nicht übersehen darf, ist, dass sich in vielen Pfarren Ehrenamtliche aus den Pfarrgemeinderäten oder anderen pfarrlichen Arbeitskreisen um Flüchtlinge bemühen, die in ihren Gemeinden untergebracht sind. Sie werden von ihnen betreut und unterstützt – auch dann, wenn sie nicht in kirchlichen Quartieren untergebracht sind.
Zudem hat eine neuerliche Rundfrage von Bischof Benno Elbs zur Nennung von zahlreichen Grundstücken geführt, welche eventuell für die Erstellung temporärer Wohneinheiten genutzt werden könnten. Nicht übersehen darf man zudem, dass die Caritas als dafür zuständige Organisation der Katholischen Kirche in Vorarlberg weit mehr als 150 Unterkünfte angemietet hat und in diesen über 1300 Flüchtlinge betreut.

Und wie steht es um die Klöster?
Ich weiß, dass hier Bischof Benno Elbs persönlich in Gesprächen mit den Orden und Gemeinschaften ist. In der Mehrerau werden sowohl im zukünftigen Hospiz wie auch im Bereich der Abtei selbst zum Beispiel Flüchtlinge beherbergt. Das ist ein schönes Beispiel. Es gibt natürlich auch andere. Und die Gründe, warum das eine oder andere Kloster nicht geeignet ist, sind vielfältig. Teils ist es einfach aufgrund des baulichen Zustands nicht möglich, teils sind die Klöster als Exerzitienhäuser ganz einfach auch auf Jahre hinweg ausgebucht. Das heißt aber nicht, dass wir hier nicht weiter im Kontakt blieben und versuchen, gemeinsam mit den Orden jede Möglichkeit Flüchtlinge zu beherbergen auch zu nutzen.

Gibt es Beispiele von Pfarren, die sich ganz besonders engagieren?
Es gibt viele Beispiele von Pfarren, Gruppen oder auch Einzelpersonen, die helfen wollen und sich einfach engagieren. Eine ständig wachsende Serie von Beispielen aus den Pfarren finden Interessierte auch auf unserer Website unter: www.kath-kirche-vorarlberg.at/asyl Da Aufzählungen aber immer das Risiko, bergen, dass einzelne vergessen werden, möchte ich daher an dieser Stelle allen Engagierten einfach danken und sie zum weitermachen ermutigen.

Wenn ich als Privatperson ein Haus oder eine Wohnung zur Verfügung stellen möchte, an wen wende ich mich?
Sie können sich gerne an mich persönlich wenden. Zudem ist seit kurzer Zeit die Website www.fluechtlingsquartiere.at online. Auch hier können Wohnungen bzw. Häuser angeboten werden, die wir dann auf die notwendigen Anforderungen und Bedürfnisse hin überprüfen.

Die Quartiere finden sich nicht im Überfluss. Welches sind - nach Wohnungen und Wohnhäusern - die nächsten Möglichkeiten?
Derzeit sind wir verstärkt auf der Suche nach Wohneinheiten, in denen 30-50 Menschen untergebracht werden können. Parallel dazu haben uns verschiedenen Pfarren von sich aus unbebaute Flächen angeboten, die wir auch für temporäre Wohneinheiten nutzen könnten. Das ist derzeit akut noch nicht notwendig, ist aber sicher einer der nächsten Schritte.

In der Bevölkerung herrscht derzeit große Verunsicherung, auch Angst. Aus Ihrer Erfahrung, wie wichtig ist es, auch diese Menschen zu begleiten bzw. gibt es in dieser Richtung vielleicht schon erste Ansätze?
Natürlich sind da Ängste, die man auch nicht unterschätzen darf. Und natürlich sind da auch teilweise große Vorurteile. Immer wieder kursieren auch Gerüchte wie etwa, dass einem Flüchtling pro Monat knapp 1000 Euro zur Verfügung stehen. Ganz genau sind es 240 Euro für Lebensmittel, Hygieneartikel usw. Bei einem Kind sind es 130 Euro. Und für ein schulpflichtiges Kind erhält die Familie 100 Euro pro Semester. Information ist gerade bei Ängsten und Vorurteilen extrem wichtig. Es geht hier vor allem auch darum, Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, zu begleiten und sie ein Stück weit für die Arbeit mit teilweise auch traumatisierten Menschen auszubilden. Erste Impulse dafür werden vom Katholischen Bildungswerk bereits verfolgt und weiterentwickelt.

(aus dem KirchenBlatt Nr. 32/33 vom 6. / 13. August 2015)