In Syrien läuft gerade ein Krieg zu neuer Höchstform auf, der an Bestialität ohnehin kaum zu überbieten schien. Papst, EU, UN und Caritas fordern dringend eine Waffenruhe – vor allem für die Jüngsten.

Schauen Sie noch hin? Sehen Sie zu, wenn in den Nachrichten wieder ein blutverschmiertes, schuttgraues und vor Schmerzen schreiendes Kind durchs Bild getragen wird, weil es Opfer eines jener Bombenangriffe geworden ist, die es nie hätte geben dürfen – und die seit sieben Jahren kein Ende finden?

Die Hölle auf Erden

In Syrien läuft gerade ein Krieg zu neuer Höchstform auf, in dem viele längst den Überblick darüber verloren haben, wo welche Front verläuft, wer da eigentlich gegen wen kämpft und warum das alles je angefangen hat. 45 Prozent der Bevölkerung, schreibt das Onlineportal der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“, wurden seit 2011 vertrieben, viele Städte und Kulturerbestätten seien großflächig zerstört. Papst, UN und EU fordern nicht zum ersten Mal ein Ende dieser „Hölle auf Erden“. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hatte in der vergangenen Woche eine leere Pressemitteilung veröffentlicht – als Fanal gegen die vielen getöteten Kinder bei Angriffen auf Ost-Ghuta.

Vor allem in dieser von der syrischen Armee belagerten Region fehlt es an Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung, Heizöl und Strom. Louay Yassin, der Syrien-Beauftragte der SOS-Kinderdörfer, warnt vor einer humanitären Katastrophe. Am schlimmsten gehe es den Kindern, sagte er der deutschen „Rhein-Neckar-Zeitung“: „Viele hungern schon seit Wochen, sind bis aufs Skelett ausgemergelt.“ Die Situation sei „grauenhaft“.

Elend jenseits der Landesgrenzen

Aber auch andernorts ist die Lage katastrophal, wie Wael Suleiman, Direktor der jordanischen Caritas beklagt: Etwas mehr als 650.000 Syrer seien in Jordanien offiziell als Flüchtlinge registriert. Bis zu 1,4 Millionen Syrer würden aber tatsächlich im Nachbarland leben, dazu kämen noch Iraker und Palästinenser. 40 Prozent der jordanischen Bevölkerung bestehe derzeit aus Geflüchteten und Arbeitsmigranten. Die Unterstützungsleistungen der internationalen Staatengemeinschaft betrügen allerdings auch nur noch mehr 40 Prozent jener Summe, die zur Versorgung der Flüchtlinge und Bewältigung der Flüchtlingskrise notwendig sei.

Klaus Schwertner, Caritas-Generalsekretär aus Wien, hat sich in der vergangenen Woche vor Ort ein Bild gemacht und zeigt sich schockiert: Unterversorgung, Kinderarbeit und Zwangsheirat seien nur einige der Probleme, deren Folgen in den Flüchtlingslagern in Jordanien immer gravierender zutage träten: „Wir müssen diese Kinder von der Straße holen und ihren Familien helfen, dass die Kinder nicht mehr arbeiten müssen.“

Größte humanitäre Katastrophe seit dem zweiten Weltkrieg

Politiker aus Europa sollten in die Region kommen, mit den Flüchtlingen vor Ort sprechen, und sich vom Schicksal der Menschen berühren lassen, so Schwertner im „Kathpress“-Interview. Der Syrien-Krieg sei nach wie vor die größte humanitäre Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Konflikt sei komplex, jedes Land könne aber auf jeden Fall einen wesentlichen Beitrag leisten, um die Lebensumstände für konkrete Personen, und hier wiederum vor allem für Kinder, zu verbessern. Die meisten Flüchtlinge würden am liebsten wieder zurück in ihre Heimat. Doch sei die Lage in Syrien derzeit noch so unsicher, dass dies für kaum jemanden möglich sei, betont Schwertner.

Er appellierte an die österreichische Bundesregierung, den Auslandskatastrophenfond, der derzeit mit 20 Millionen Euro dotiert ist, um weitere zehn Millionen Euro aufzustocken. Die Caritas selbst hat sich das Ziel gesetzt, im Rahmen der derzeit laufenden Februar-Sammlung mit Spendengeldern aus Österreich 50.000 Kindern im Nahen Osten (und in Osteuropa) ein chancenreiches Aufwachsen und den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Neben Bildungsperspektiven geht es dabei allerdings auch um die grundlegenden materiellen Bedürfnisse. So ist es etwa mit einem Hilfspaket um 30 Euro möglich, ein Kind in Jordanien einen Monat lang mit Lebensmitteln, medizinischer Betreuung und Hygieneartikeln zu versorgen.

Jede Hilfe zählt

Caritas-Spendenkonto
Erste Bank
IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560
Spendenzweck: "Kinder in Not"
Mehr Informationen: www.caritas.at

Quelle: Kathpress ( 1 | 2 | 3) / red