Gestern begann die fünfwöchige Schöpfungszeit, während der sich Gläubige auf der ganzen Welt für den Schutz unserer Erde einsetzen. Auch hierzulande gibt es zahlreiche Aktionen.

Kennen Sie das Märchen von der Prinzessin und dem Salz? Falls nicht: Lesen Sie es gern nochmal nach, denn es ist A) schön und B) wahr. Sie liebe ihren Vater wie das Salz, erklärt die jüngste Königstochter – bevor sie verstoßen wird. Es braucht eine ganze Weile, bis der gekränkte Vater erkennt, was sein Kind wirklich meint, was dieses Mineral für Menschen bedeutet.

„Salz der Erde“ lautet das Motto der heurigen Schöpfungszeit, die vom „Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung“ am gestrigen Sonntag bis zum 4. Oktober dauert. Der Vers „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ stammt aus der Bergpredigt (Mt 5,13f), mit der Jesus seine Jünger gemahnt, behutsam vorzugehen: Ohne Salz ist keine Speise schmackhaft und kein Boden fruchtbar – zu viel jedoch führt in den sicheren Tod. Und auch wir scheinen vergessen zu haben, was das Salz ist, das uns am Leben erhält: Die Wälder brennen, Gletscher und Pole schmelzen, in den Meeren schwimmen Kontinente aus Plastik und wir halten es trotzdem wie die beiden Schwestern der Salzprinzessin und tanzen weiter auf der großen Party namens „Westlicher Lebensstil“.
Bis zum 4. Oktober finden in allen Diözesen sowie in der evangelischen und orthodoxen Kirche zahlreiche Aktionen zu mehr Umweltbewusstsein statt (Überblick »).

Die weltweite Schöpfungszeit endet am Fest des Heiligen Franz von Assisi am 4. Oktober und damit nur zwei Tage vor dem von Papst Franziskus angekündigten Beginn der katholischen Sondersynode mit dem offiziellen Titel „Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ von 6. bis 27. Oktober in Rom.

Klimavolksbegehren

Nicht zufällig ist sicher auch die Koinzidenz mit dem Unterstützungsaufruf zum Klimavolksbegehren: Seit Mittwoch können ÖstereicherInnen die Initiative unterzeichnen, die Klimaschutzes in der Verfassung verankern will. Dazu ruft eine breite Allianz aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Vertretern der Sozialpartnerschaft und den Kirchen auf. „Als Kirche sehen wir uns dazu berufen, Verantwortung zu übernehmen für die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen, erklärt etwa Walter Rijs für die Katholische Aktion. Es seien jetzt große Lenkungsmaßnahmen nötig, um die Klimakatastrophe abzuwenden.

Die Kirche richte besonderes Augenmerk auf die schwächsten und verletzlichsten Menschen, erklärte auch der Jugendbischof Stephan Turnovszky. Sie seien von den ökologischen Gefahren am meisten bedroht und zugleich am wenigsten in der Lage, sich anzupassen, rief er in Erinnerung: „Darum fordern wir im Sinne der Klimagerechtigkeit vor allem jene auf, die in überdurchschnittlichem Wohlstand leben, in umweltverträgliche Technologien zu investieren, eine Wirtschaftsordnung der Kostenwahrheit zu etablieren, aus fossiler Energie auszusteigen und auch selbst Einschränkung und Verzicht zu üben.“

Wichtige Forderungen

Im Volksbegehren wird die Verankerung des Klimaschutzes in der Verfassung eingefordert. Weiters soll Österreich die Freisetzung klimaschädlicher Treibhausgase bis 2030 mindestens halbieren und bis 2040 klimaneutral werden. Ein verbindliches und transparentes CO2-Gesetz müsse die nötigen Rahmenbedingungen u. a. für Bund, Länder und Gemeinden schaffen. Die Forderungen wurden gemeinsam mit Experten aus der Klimawissenschaft, Umwelt-NGOs und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verbänden ausgearbeitet.

Auch eine ökosoziale Steuer- und Abgabenreform wird im Volksbegehren gefordert. Dabei sollen die gesellschaftlichen Kosten der Zerstörung des Klimas wirtschaftlich miteinbezogen werden. So werde klimafreundliches Handeln billiger und klimaschädigendes Handeln reduziert. Dabei müsse die soziale Absicherung durch einen Klimabonus gewährleistet werden. Eine weitere Forderung: Die österreichische Verkehrs- und Energiepolitik müsse grundlegend verändert werden. Es brauche einen breit ausgebauten und leistbaren öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie regionale erneuerbare Energie.

Mehr dazu: www.klimavolksbegehren.at

Quelle: kathpress.at (1 | 2 | 3) / red