Es ist ein Schicksal, das man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünscht und das dennoch viele Menschen ereilt: Arbeitslosigkeit, Armut, Obdachlosigkeit und manchmal damit einhergehend die "Notwendigkeit" um Geld zu betteln. Kritik an der Art, wie in Österreich die Diskussion über das Betteln geführt wird und am Bild des kriminellen Bettlers, das sich damit verfestige, übt der Geschäftsführer der Caritas Wien, Klaus Schwertner.

Jeder, der in Österreich in einer größeren oder auch kleineren Stadt unterwegs ist, hat sie bereits gesehen. Meist sind es Frauen und kleine Kinder, manchmal auch Männer, die am Boden sitzen. Auf Pappkartons, mit einem kleinen Becher oder der ausgestreckten leeren Hand blicken sie einen flehend an und betteln um ein bisschen Geld. Manche der Passanten schauen betroffen weg, andere entsprechen dem Flehen.

Kein aggressives oder organisiertes Betteln
Seit Oktober 2013 ist das generelle Bettelverbot in Vorarlberg aufgehoben. Weiter untersagt ist aber aggressives bzw. organisiertes Betteln sowie Betteln mit Kindern.  “Damit sind Situationen gemeint, bei denen der Bettler jemandem den Weg versperrt, oder nachdem er an eine Haustüre geklingelt hat, verhindert, dass der Besitzer sie schließen kann. Auch organisierte Bettlerei und wenn mit Hilfe von Kindern gebettelt wird, ist in Vorarlberg strafbar", erklärt Polizeisprecher Horst Spitzhofer die Lage.

Die Bettelmafia
Da es sich bei den BettlerInnen oftmals um AusländerInnen handelt, ist schon seit Jahren eine Diskussion um eine vermeintliche Bettelmafia entbrannt. Die Hintermänner, von denen dauernd die Rede sei, „verfestigen nur das Bild des kriminellen Bettlers“ kritisiert Schwertner. Und das helfe niemandem. Wenn es solche Hintermänner tatsächlich gebe, die den auf der Straße bettelnden Armen ihr Geld wieder abnehmen, „dann sollen die Polizei und die Gerichte ihre Aufgabe wahrnehmen und diese Menschen verurteilen“, fordert er. 

Spenden? Ja, oder nein?
Welch kuriose Formen die Diskussion annimmt, veranschaulicht der Caritas-Geschäftsführer am Beispiel von Privatdetektive, die angeheuert werden um Bettler zu bespitzeln. Die Folge: "Die österreichische Bevölkerung ist verunsichert. Die Menschen sind sich nicht mehr sicher, ob sie Bettlern noch Geld geben sollen", so Schwertner. 

Effektive Hilfe
Den Vorschlag seitens des Bundeskriminalamts, Wertmarken statt Münzen an Bettler zu verteilen, sieht er kritisch. Zwar sehe er den guten Willen dahinter,  "aber diese Überbürokratisierung von Hilfe kann niemand wollen". Um Bettlern effektiv zu helfen, brauche es eine Verbesserung der Lebensbedingungen in deren Herkunftsländern - meist im osteuropäischen Raum. Aber es brauche laut Schwertner „auch Unterstützung bei uns", bei Beratungsstellen der Caritas oder in Vorarlberg auch das Kaplan Bonetti Haus. (red/kap)