Ja, Österreich könne nicht die Probleme der Welt lösen, aber "wenn Menschen hier im Land sind, die um ihr Leben bangend geflüchtet sind, dann geht es nicht um die Frage, ob ich noch eine Million Menschen aufnehmen kann, sondern ob ich diesen Menschen hier gerecht werde". Diese klaren Worte findet Kardinal Schönborn mit Blick auf die aktuelle Asylpolitik.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Kardinal Christoph Schönborn zu diesem Thema äußert, aber angesichts der Relevanz kann es wahrscheinlich auch einfach nicht oft genug geschehen. "Eine kleine Gruppe von Menschen wird offensichtlich systematisch in ein schiefes Licht gerückt. Asylwerber werden unter Generalverdacht gestellt", kritisiert er in der ORF-Pressestunde.

Sorge und Signale

Das sei natürlich keine Generalkritik an der Regierung, schließlich mache diese vieles gut, aber “wir machen uns Sorgen um die Asylpolitik”. “Ich beurteile diese insgesamt mit Sorge. Es gibt Signale, die nicht notwendig sind”, so Schönborn. Die Anbringung des Schildes “Ausreisezentrum” an das Tor der Erstaufnahmestelle Traiskirchen sieht er als schlechtes Signal und bezeichnet es zum Beispiel als "einfach unmenschlich.” Es sei gewiss nicht Aufgabe der Bischöfe, "Noten zu verteilen" für die Politik, wenn es aber um Menschenwürde und Menschenrechte gehe, könne die Kirche nicht schweigen. Sorgen mache ihm in diesem Zusammenhang auch die geplante Agentur für die Rechtsberatung bei Flüchtlingen.

Schönborn - einst ein Flüchtlingskind

Die aktuellen Entwicklungen würden ihn um so mehr schmerzen, als er selber als Flüchtlingskind nach Österreich gekommen sei. Flüchtlinge seien stets eine "besonders vulnerable Gruppe", deren Schicksale und Traumata man würdigen solle - und dies durchaus auch unter häufigerer Anwendung des Instruments des humanitären Bleiberechts. Dies gelte auch im Wissen darum, dass es unter Flüchtlingen immer wieder einzelne gebe, die auch abgeschoben werden müssten und einer "Massenbewegung" auf europäischer Ebene Einhalt zu gebieten sei. (red / kathpress)