Es ist eine vergleichsweise junge Perspektive, kaum dreißig Jahre alt. Galt Kleopatra im patriarchalen Storytelling seit Kaiser Augustus (genau, jener welcher…) eher als einfältige Beauty-Queen oder Mätresse des römischen Kaiserreichs, zeichnet die jüngere Forschung ein ganz anderes Bild. Da ist Äqyptens Pharaonin plötzlich kluge Politikerin, harte Managerin, Gelehrte und Staatsfrau.

Sie steht also inzwischen für das, was die Organisation „Nazra for Feminist Studies“ auch im Ägypten der Gegenwart wieder etablieren will: Eine gleichberechtigte Gesellschaft, in der Frauen die gleichen Möglichkeiten, Rechte und Pflichten haben wie Männer. Mozn Hassan, Nazras Gründerin, wurde für dieses Engagement 2016 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet, besser bekannt als „Alternativer Nobelpreis“.

Reiseverbot und Sanktionen

Wie wichtig ihr Engagement ist, zeigen die Rahmenbedingungen der Preisverleihung: Zur Zeremonie im November in Stockholm konnte Hassan nicht anreisen, seit sie zusammen mit anderen Menschenrechtlern im Mai vergangenen Jahres mit einem Reiseverbot belegt wurde. Ihr eigenes Vermögen wie die Konten von Nazra sind seit Januar 2017 eingefroren. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr 25 Jahre Haft.

Zeremonie in Kairo

Samstag kam die Auszeichnung darum zu ihr: Im Rahmen einer privaten Zeremonie in Kairo nahm Hassan den Preis entgegen und dankte dem Komitee für diese Geste: „Die Entscheidung des Right Livelihood Award, diese Zeremonie in Kairo zu halten, ist wirklich bedeutsam. Sie zeigt, dass Wertschätzung und Solidarität einen trotz Reiseverbot erreichen können. Heute fühlen wir, dass die Arbeit der ägyptischen Feministinnen, vor allem nach 2011, von verschiedenen Akteuren auf der ganzen Welt wahrgenommen und geschätzt wird.“

Engagement mit langer Historie

Die Vorsitzende des Vorstands der Right Livelihood Award Stiftung, Monika Griefahn, wies in ihrer Rede auf die historische Dimension der Auszeichnung hin: „Mozn Hassan und Nazra verkörpern die neuesten Gesichter in einer langen Reihe von Anführerinnen der ägyptischen feministischen Bewegung, die eine unglaublich wichtige Rolle gespielt haben, die Fortschritte der Nation für die Gleichstellung der Geschlechter zu gestalten. Die gegenwärtigen Sanktionen gegen Mozn Hassan und Nazra sind nicht nur ungerecht. Sie machen es auch schwieriger für sie, ihre wichtige Aufgabe der Stärkung der Frauen in Ägypten und in der Region des Mittleren Ostens zu erfüllen“. Griefahn wiederholte erneut die Forderung der Stiftung, die Anklage gegen Mozn Hassan fallen zu lassen. (Right Livelihood Award/red)