Haben Sie schon einmal etwas von den Weißhelmen, Mozn Hassan, Swetlana Gannuschkina oder der Zeitung Cumhuriyet gehört? Obwohl viele Menschen mit diesen Namen erst einmal nichts anfangen können, haben die Gesichter dahinter Großes geleistet. Am 22. September wurden sie deshalb mit dem renommierten "Right Livelihood Award" ausgezeichnet.

Im Jahr 1980 gegründet, ehrt der Right Livelihood Award couragierte Menschen und Organisationen, die visionäre und beispielhafte Lösungen für die Ursachen der globalen Probleme entwickeln und erfolgreich umsetzen. "Die diesjährigen Preisträger nehmen sich unserer drängendsten globalen Herausforderungen an", so Geschäftsführer der 'Right Livelihood Award'-Stiftung Ole von Uexküll. Das sind die Empfänger:

SYRIA CIVIL DEFENCE (Weißhelme)

Right Livelihood Awards„Für ihren herausragenden Mut, ihr Mitgefühl und humanitäres Engagement bei der Rettung von Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg".


(Foto: Syria Civil Defence)

Besser bekannt als die "Weißhelme", ist Syria Civil Defence eine Gruppe von 3.000 freiwilligen Männern und Frauen, die seit 2013 ihr Leben riskieren, um Menschen aus den Trümmern von zerstörten Gebäuden im syrischen Bürgerkrieg zu retten. Zu Friedenszeiten als Bäcker, Schneider, Verkäufer oder Lehrer arbeitend, bildeten sie sich nun als ausgebildete Feuerwehrleute, Such- und Rettungskräfte sowie Sanitäter aus und retteten bisweilen über 60.000 Menschenleben. Zusätzlich unterstützen sie auch den Wiederaufbau der zerstörten öffentlichen Infrastruktur und klären Kinder und Erwachsene über vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen im Fall eines Luftangriffs auf. Ihr großes humanitäres Engagement hat internationale Aufmerksamkeit auf die Notlage der syrischen Zivilbevölkerung und die Verwüstung durch Fassbomben gelenkt.

MOZN HASSAN

Right Livelihood Awards"Für ihren Einsatz für die Gleichstellung und die Rechte von Frauen unter Umständen von anhaltender Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung".

 
(Foto: Mostafa Mohie)

Mozn Hassan ist eine ägyptische Feministin und Verteidigerin der Menschenrechte. Die von ihr 2007 gegründete Organisation 'Nazra für feministische Studien' dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und stärkt Frauen in allen Lebensbereichen. In Reaktion auf die sexuellen Übergriffe an Frauen während und nach der ägyptischen Revolution, half sie Opfern medizinisch, psychologisch und juristisch und prangerte die Taten öffentlich an. Darüber hinaus engagiert sie sich erfolgreich für die Aufnahme der Frauenrechte in die ägyptische Verfassung 2014und fördert Kandidatinnen aller Parteien für Parlaments- und Kommunalwahlen durch ihre 'Women's Political Participation Academy'.

SWETLANA GANNUSCHKINA

Swetlana Gannuschkina„Für ihr jahrzehntelanges Engagement für Menschenrechte und Gerechtigkeit für Geflüchtete und Migranten sowie für die Förderung von Toleranz zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen."

 (Foto: Right Livelihood Awards)

Swetlana Gannuschkina ist eine der versiertesten Führungsfiguren der Menschenrechtsbewegung in Russland. Durch die von ihr gegründete und geleitete Organisation, das 'Civic Assistance Committee', hat sie seit 1990 mehr als 50.000 Geflüchteten kostenlose rechtliche Unterstützung, humanitäre Hilfe und Bildungsangebote zukommen lassen. Von 2002 bis 2012 kämpfte Gannuschkina als Mitglied des russischen Menschenrechtsrates erfolgreich für eine Änderung des Geflüchtetenrechts, sodass mehr als zwei Millionen Menschen die russische Staatsbürgerschaft gewährt wurde. Überzeugt von der hohen Bedeutung von Bildung hat Gannuschkina wiederholt vor russischen Gerichten für das Recht aller Kinder, einschließlich Migranten und Geflüchteten, auf den Besuch öffentlicher Schulen gestritten.

CUMHURIYET

Right Livelihood Awards„Für ihren unerschrockenen investigativen Journalismus und ihr bedingungsloses Bekenntnis zur Meinungsfreiheit trotz Unterdrückung, Zensur, Gefängnis und Morddrohungen."

 (Foto: Kaan Saganak)

Cumhuriyet ist eine der wichtigsten unabhängigen investigativen Tageszeitungen in der Türkei. Seit 1924 ist sie allen Widrigkeiten zum Trotz dem Grundsatz der Pressefreiheit verpflichtet. Ihre Mitarbeiter haben immense persönliche Risiken wie Attentate und Haft in Kauf genommen, um weiterhin frei über Fragen von Menschenrechten, Gleichstellung der Geschlechter und Umweltschutz berichten zu können. Der herausragende investigative Journalismus der Cumhuriyet hat viele Wahrheiten ans Licht gebracht. Zu einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit in der Türkei zunehmend bedroht ist, beweist die Cumhuriyet, dass die Stimme der Demokratie nicht zum Schweigen gebracht werden kann.

Und wie geht es weiter?

Die vier Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von 3 Millionen Schwedischer Kronen (315.000€) zu gleichen Teilen. Neben der jährlichen Auszeichnung unterstützt die 'Right Livelihood Award'-Stiftung die Arbeit aller Preisträger, insbesondere derjenigen, die aufgrund ihrer Arbeit bedroht sind. Der Preis ist keine Auszeichnung für die politische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche Elite der Welt, sondern eine Auszeichnung für normale Menschen und ihre Arbeit für eine bessere Zukunft. Jeder Mensch auf der Welt kann jeden für den Preis nominieren. Denn schlussendlich - so der Gedanke hinter der Auszeichnung - sind es gerade die ganz "gewöhnlichen" Menschen, die in dieser Welt den Boden für das Außergewöhnliche schaffen.

(Quellen: Right Livelihood Award)