Wandern bringt Menschen zusammen. Diese Erfahrung veranlasste den Österreichischen Alpenverein, die Aktion "Miteinander unterwegs" ins Leben zu rufen. In Bregenz gab es nun die erste Wanderung mit Flüchtlingen. Die Erfahrung bestätigte sich.

Hermann Thüringer, AV Bregenz

Vor kurzem lud der Alpenverein (AV) Bregenz Kriegsflüchtlinge zu einer kleinen Wanderung auf dem Pfänderplateau ein. 25 aus den Heimen Lauterach und  Mehrerau nahmen mit ihrer Betreuerin von der Caritas-Flüchtlingshilfe Unterland, Michaela Otto, daran teil und freuten sich sehr darüber. Die Begegnung klang mit einer Einladung ins Vereinshaus des AV im Thalbach bei Putenwienerle und Kaffee und Kuchen aus.

„Miteinander unterwegs“ nennt der Österreichische Alpenverein eine neue Aktion. Er fordert seine Sektionen ausdrücklich dazu auf, diesen Impuls in die Tat umzusetzen, den Kontakt mit Menschen mit Migrationshintergrund zu suchen und mit ihnen in die Berge zu gehen, denn „Berge sind der ideale Ort, um Menschen zusammenzuführen.“

Also griff der AV Bregenz die Idee auf und lud zur kleinen Pfändertour ein, die von der Pfänderbahn großzügig gefördert wurde. Begleitet von 20 Tourenführern des AV erfolgte die Auffahrt mit der Pfänderbahn. Schade, dass sich der Berg in Nebel hüllte. Trotzdem fanden die Flüchtlinge rasch Gefallen an der für sie unglaublich grünen Natur, die sie, aus trockenster Landschaft kommend, förmlich als Dschungel empfanden. Die Fotohandys liefen heiß, Motive boten sich ja vor allem beim Rundgang um den Tierpark und am Pfänderspitz.

Langsam tauten sie auf

Immer lebhafter wurden die Gespräche trotz der Sprachbarrieren zwischen Flüchtlingen und ihren Begleitern. Aus der namenlosen Anonymität traten mit der Zeit ein Lehrer, ein Polizist, ein LKW-Fahrer und andere Berufstätige heraus, berichteten von den Mühen der Flucht, dem Horror getöteter Freunde. Bekanntlich wächst das Mitfühlen mit der Not im selben Ausmaß, wie man es mit Individuen zu tun hat. Das Massenschicksal erhält Gesichter, die man in Erinnerung behält. Langsam wurde auch klar, warum sich viele Flüchtlinge nur sehr zögernd oder gar nicht unter die Einheimischen mischen. Sie sind sich nicht sicher, wie wir über sie denken, ob Chance auf Akzeptanz besteht oder ob sie auf Ablehnung stoßen. Ausdrücklich betonten sie, dass ihnen die Freundlichkeit der hiesigen Polizei aufgefallen sei.

Es wird nicht der letzte Kontakt zwischen AV und Flüchtlingen gewesen sein, war der Tenor beim abschließenden Hock im AV-Heim. Auch das war eine Erkenntnis: Nicht alle bestanden auf Pute, sondern aßen mit Genuss auch ein „normales“ Wienerle, zu dem ein Pfiff ausgezeichnet schmeckte.