Steuern, das ist so ein Thema, bei dem man gerne ins Diskutieren kommt. Bei der Selbstbesteuerungsgruppe Bischof Erwin Kräutler ist das auch so. Allerdings streitet man sich da nicht über Erhöhung oder Senkung des Steuersatzes, denn den legt jede und jeder selbst fest. Seit mehr als 30 Jahren.

Angefangen hat alles damit, dass Bischof Erwin Kräutler bei einem seiner Heimatbesuche in freundschaftlicher Runde davon erzählte, dass er manchmal nicht wisse, wie er seine Helferinnen und Helfer am Rio Xingu in Brasilien bezahlen soll. Er war damals bereits seit einigen Jahren in Brasilien, setzte sich dort für die Rechte der indigenen Völker ein und kämpfte für ein menschenwürdiges Leben für die, die sonst unter den Rädern von Macht und Profitstreben aufgerieben würden.

Eine Idee und ein Anfang

Wenig später blätterte eine, die da in dieser Runde saß, durch einen Kalender zur Fastenzeit. Da stand etwas zu einer Idee, die damals noch nicht in aller Munde war: Selbstbesteuerung. Warum also nicht? Und dann hat alles mit zwei engagieren Ehepaaren seinen Anfang genommen - Eva und Egon Fitz und Margit und Markus Hofer. Das war vor 30 Jahren. Mittlerweile zählt die Selbstbesteuerungsgruppe Bischof Erwin Kräutler rund 400 UnterstützerInnen und über die Jahre kam eine Spendensumme von rund 3,5 Millionen Euro zusammen. 

Wie Selbstbesteuerung funktioniert

Selbstbesteuerung, das heißt, dass man sich freiwillig dazu verpflichtet, monatlich einen fixen Betrag zu spenden. Wer was gibt, bleibt in der Runde der SelbstbesteuererInnen anonym. Nicht die Höhe des Betrags zählt, sondern der grundsätzliche Einsatz. Gleichzeitig ist es ebenso möglich, anlassbezogen zu spenden. Zu Geburts- oder Jahrestagen wird dann oft etwas gegeben. Auch damit ist man Teil der Selbstbesteuerungsgruppe. Die OrganisatorInnen der Selbstbesteuerungsgruppe tragen dann dafür Sorge, dass die Gelder die Projekte von Bischof Kräutler in Brasilien auch erreichen und organisieren in regelmäßigen Abständen Treffen mit Bischof Kräutler, bei denen man Brasilien quasi aus erster Hand erleben kann. Übrigens, die Spenden an die Selbstbesteuerungsgruppe sind natürlich auch steuerlich absetzbar.

Almosen oder Gerechtigkeit?

Natürlich, Spenden sind Spenden und wer etwas entbehren kann, der gibt. Trotzdem will die Selbstbesteuerungsgruppe ihren Einsatz nicht als Almosen der "Reichen" für die "Armen" verstanden wissen, sondern als den gerechten Preis für jeden Euro, den man den Menschen in den Ländern des Südens mit jeder Billig-Banane und jeder Tasse Kaffee schuldig bleibt.

Was man damit unterstützt

Rund 1 Million Schilling waren es damals, die man pro Jahr so zusammentrug. Über die letzten 30 Jahre sind es rund 3,5 Millionen Euro geworden. Ein mehr als beachtlicher Schnitt, dessen Ernte man in Brasilien einholen kann. Zum Beispiel in Schulen und Mutter-Kind-Heimen, die so erst gebaut und dann am Laufen gehalten werden konnten. Oder in der Rechtsvertretung Indigener, die ansonsten der Willkür des Systems einfach nichts entgegenzusetzen gehabt hätten. Auch eine Station, in der medizinische Basisversorgung geboten wird, konnte eingerichtet werden, während bis heute Familien in Not tatkräftig und auch durch die Spenden der Selbstbesteuerungsgruppe unterstützt werden können.

Auf die nächsten 30

Vieles ist geschehen. Genug ist es natürlich nie. Und deshalb geht es nach den ersten 30 Jahren für die Selbstbesteuerungsgruppe Bischof Erwin Kräutler auch einfach in die nächste Runde. Mitmachen ist jederzeit möglich.

Alle Informationen zur Selbstbesteurungsgruppe Bischof Erwin Kräutler finden Sie hier.

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