Was Frauen in Führungspositionen bringt – und an welchen Stellen sie Loslassen lernen müssen, diskutierte Dr.in Magdalena Holztrattner beim FrauenSalon im Bildungshaus Batschuns.

„Sieben Dinge, die du als Chefin unbedingt tun (oder lassen) solltest“ hätte Magdalena Holztrattner diesen Abend vielleicht genannt, wäre sie nicht Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreich (ksoe), sondern Influencerin oder Bloggerin und wäre nicht als „Referentin“ angereist, sondern als „Speakerin“. Das Publikum wäre dann ein anderes gewesen (zielstrebige Berufseinsteigerinnen Mitte/Ende 20 vs. erfahrene Frauen zwischen 35 und 60), die „Location“ (eher hipper Club als Bildungshaus) – und vielleicht auch die Art und Weise, wie sie das Thema angepackt hätte. Es hätte vielleicht eine schnittige Präsentation gegeben, „Empowerment“ in Form von Motivationszitaten zum Abschreiben und den Hinweis auf das passende Buch, das man beim Herausgehen zum Sonderpreis von nur 29,99 Euro erwerben kann.

Magdalena Holztrattner aber ist Magdalena Holztrattner und der FrauenSalon FrauenSalon. Ihr, der Theologin, Sozialethikerin, Pädagogin, geht es weniger um Instant-Tipps auf der Überholspur zum Chefsessel, als um Grundsatzfragen – wie dem Format in Kooperation der Bildungshäuser in Batschuns und Arbogast, der KPH Edith Stein, der Katholischen Frauenbewegung, dem Frauenreferat der Katholischen Kirche Vorarlberg und dem Katholischen Bildungswerk eben auch. Fragen wie: Was muss sich gesellschaftlich ändern, damit unsere Führungsetagen weiblicher werden? Wo ist die Politik in der Pflicht – wo sind es wir selbst? Was muss „frau“ wissen, wenn sie sich zwischen Kind und Karriere entscheiden soll? Und: Muss das tatsächlich eine Entweder-Oder-Entscheidung sein?

Facetten von Führung

„Sieben Dimensionen“ von Frauen in Führungsverantwortung hat Holztrattner identifiziert. Sie reichen vom selbstbewussten und leider noch nicht selbstverständlichen „Ja“ zu Leitungsposten, von der Rolle unseres Unterbewusstseins und vermeintlich „männlichen“ und „weiblichen“ Stereotypen. Es geht um Führungsstile, Erwartungen – und die eigenen Grenzen.
„Macht die Pausen, bevor die Akkus leer sind“, rät sie etwa – und erzählt, wie ihr eine Seminarteilnehmerin einmal ihren „Sehnsuchtsort Behindertenklo“ verraten habe: Ein Raum, der schnell erreichbar ist, groß genug, um wahlweise Luftsprünge zu machen, Boxhiebe zu verteilen oder sich einfach nur kurz an die Wand zu lehnen – und dessen Nutzung meist niemand bemerkt. Gelächter im Saal in Batschuns – so, als hätte die eine oder andere Anwesende auch schon einmal…

Überhaupt haben die Besucherinnen dieses FrauenSalon einiges zu sagen. Zum Beispiel zur himmelschreienden Ungerechtigkeit, dass es rein strukturell immer noch viel „vernünftiger“ ist, wenn sich frau daheim um Kind und Kegel kümmert, während er, der mehr verdient, Vollzeit weiterarbeitet – Stichwort „Gender Pay Gap“. Dass sich das in Pensionsansprüche durchdrückt, obwohl die Volkswirtschaft enorm von dieser unentgeltlichen Care-Arbeit durch Mütter, Großmütter etc profitiert. Und dann ist da natürlich das Damoklesschwert der Altersarmut, wenn das mit der Ehe doch nicht bis zum Lebensende klappt.

Wie es anders gehen kann

Themen, die mit Mitte/Ende 20 noch keine so große Rolle spielen wie mit Mitte/Ende 50 – die aber trotzdem extrem wirkungsvoll sind, wenn es darum geht, die Anteile weiblicher Führungskräfte klein zu halten. Dabei müsste das nicht so sein: Holztrattner weist nach Skandinavien, wo Karenzzeiten auch für Männer ein – Achtung! – förderlicher Karrierefaktor sind – weil die in der Familie erworbenen „soft-“ bzw. „social skills“ als wertvoll gelten.

Und das ist auch so ein Punkt: „Frauen, nehmt die Männer in die Pflicht“, fordert Holztrattner – „und traut sie ihnen zu.“ Denn, seien wir ehrlich: Auch wir Frauen haben Macht und Einfluss, die wir nicht immer gerne hergeben…

Zum Vormerken

Der ksoe-Lehrgang "Macht mit Verantwortung" für Frauen in Führungsverantwortung findet 2020 im Bildungshaus St. Arbogast statt. Mehr dazu »