Prof. Dr. Karl Golser, Moraltheologe aus Brixen, dokumentiert in einem kurzen geschichtlichen Aufriss die wichtigsten Stellungnahmen zum Thema von katholischer Seite

Von Prof. Dr. Karl Golser

Papst Johannes Paul II schreibt in seiner Enzyklika „solicitudo rei socialis“ von 1987 unter IV. zur „wahren menschlichen Entwicklung“:
„Der Mensch erhält [...] eine gewisse Verwandtschaft mit den anderen Geschöpfen. Er ist berufen, sie zu gebrauchen, sich um sie zu kümmern, und ist - immer nach dem Genesisbericht (2,15)- in den Garten versetzt mit der Aufgabe, ihn zu bebauen und zu hüten, über allen anderen Geschöpfen, die von Gott seiner Herrschaft unterstellt sind (vgl. Gen 1, 25-26). Gleichzeitig aber muss der Mensch dem Willen Gottes ergeben bleiben, der Unterordnung der Güter und aus deren Verfügbarkeit für das "Sein" des j ihm die Grenzen für den Gebrauch und die Beherrschung der Dinge vorschreibt (vgl. Gen 2,16-17), sowie er ihm auch die Unsterblichkeit verheißt (vgl. Gen 2,9; Weish 2, 23). Darum hat der Mensch, da er Bild Gottes ist, auch eine echte Verwandtschaft mit Gott.
Auf der Grundlage dieser Lehre kann Entwicklung nicht nur im Gebrauch, in der Beherrschung und im wahllosen Besitz der geschaffenen Dinge und der Produkte des menschlichen Fleißes bestehen, sondern vielmehr in der Unterordnung des Besitzes, der Herrschaft und des Gebrauchs unter die göttliche Ebenbildlichkeit des Menschen und unter seine Berufung zur Unsterblichkeit. Dies ist die transzendente Wirklichkeit des menschlichen Seins, an der von Anfang an ein Menschenpaar, Mann und Frau (vgl. Gen 1, 27), teilhat und die somit grundsätzlich sozial ausgerichtet ist.“

Die Anliegen der Menschheit sind von jeher auch Anliegen der Jünger Christi, „denn
es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen Widerhall fände“,
so
bekennt es ausdrücklich die Einleitung der Pastoralkonstitution des II Vatikanischen
Konzils „Die Kirche in der Welt von heute“ (Gaudium et spes). Es ist deshalb
selbstverständlich, dass es ab der Zeit, in der die Umweltgefährdung ins Licht der
Öffentlichkeit gerückt ist, auch Stellungnahmen der Kirche dazu gibt. Schon im Jahre
1971, ein Jahr vor Erscheinen des Berichts über die Grenzen des Wachstums des
Clubs of Rome, haben das Dokument der römischen Bischofssynode „De iustitia in
mundo“ und das Apostolische Schreiben Papst Pauls VI „Octogesima adveniens“
darauf Bezug genommen (vgl. Nr. 21 unter: http://www.vatican.va/holy_father/paul_vi/apost_letters/documents/hf_p-vi_apl_19710514_octogesima-adveniens_en.html). Von der Ersten Internationalen
Umweltkonferenz der Vereinten Nationen von Stockholm im Jahre 1972 bis in die
Konferenzen der letzten Zeit haben immer wieder Vertreter des Hl. Stuhl die Anliegen
aufgegriffen und dazu den Standpunkt der Kirche erklärt.1 Ab der neunziger Jahre ist
die Problematik des Klimawandels vor allem durch die Dokumente des IPCC
(Intergovernmental Panel on Climate Change, der als zwischenstaatliche
Sachverständigengruppe 1988 gegründet wurde und umfassende Sachstandsberichte
veröffentlicht hat / vgl. unter: http://www.ipcc.ch/ipccreports/ar4-wg1.htm) immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Diese Fragen wurden im
Vatikan sowohl durch die Päpstliche Akademie der Wissenschaften als auch durch den
Päpstlichen Rat Justitia et Pax durch Tagungen und Dokumente begleitet.
Papst Johannes Paul II hat neben verschiedenen Ansprachen und Hinweisen in seinen
Sozialenzykliken vor allem die Friedensbotschaft von 1990 (vgl.: http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/messages/peace/documents/hf_jp-ii_mes_19891208_xxiii-world-day-for-peace_en.html ) „Friede mit Gott dem Schöpfer,
Friede mit der ganzen Schöpfung“ =“Peace with God the Creator, Peace with All of
Creation“) der Schöpfungsverantwortung gewidmet und z. B. in seinem 1999 veröffentlichen
apostolischen Schreiben „Ecclesia in America“ in der Nr. 56 unter den „himmelschreienden
Sünden“ auch die unverantwortliche Zerstörung der Natur und eigens die unkontrollierte
Emission von Treibhausgasen sowie das dramatische Problem der Waldbrände mit der
systematischen Zerstörung des Regenwaldes erwähnt (Nr.25). (vgl.: http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/apost_exhortations/documents/hf_jp-ii_exh_22011999_ecclesia-in-america_ge.html)

Von Papst Benedikt XVI soll neben verschiedenen Ansprachen und Hinweisen in den
Botschaften zum Weltfriedenstag vor allem die gemeinsame Erklärung zusammen mit dem  ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. vom 1. Dezember 2006 erwähnt werden.
In Punkt 6 der Erklärung ist zu lesen:
„In der gegenwärtigen Zeit wollen wir angesichts der großen Gefahren, denen die Natur und die Umwelt ausgesetzt sind, unserer Besorgnis Ausdruck geben im Hinblick auf die negativen Folgen für die Menschheit und für die gesamte Schöpfung, die sich aus einem wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt ergeben können, der seine Grenzen nicht erkennt. Als Religionsführer sehen wir es als eine unserer Pflichten an, alle Bemühungen zu ermutigen und zu unterstützen, die unternommen werden, um die Schöpfung Gottes zu schützen und den zukünftigen Generationen eine Erde zu hinterlassen, auf der sie leben können.“ (vgl.: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/november/documents/hf_ben-xvi_spe_20061130_dichiarazione-comune_ge.html )

Vom Päpstlichen Rat « Justitia et Pax » soll das im Jahr 2004 veröffentlichte « Kompendium
der Soziallehre der Kirche » erwähnt werden, in dem das ganze 10. Kapitel der
Umweltproblematik gewidmet ist und wo es zum Klimawandel in der Nr. 470 heißt:
„In diesem Zusammenhang sind auch die äußerst komplexen Beziehungen zwischen der
menschlichen Aktivität und den klimatischen Veränderungen zu berücksichtigen, die auf
wissenschaftlicher, politischer und rechtlicher Ebene national und international in der
geeigneten Weise beständig beobachtet werden müssen.  Das Klima ist ein Gut, das geschützt
werden muss, und deshalb ist es erfordert, dass die Verbraucher und die Träger industrieller
Aktivitäten ein stärkeres Verantwortungsgefühl entwickeln“.(vgl.: http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/justpeace/documents/rc_pc_justpeace_doc_20060526_compendio-dott-soc_en.html#CHAPTER%20TEN )

Auf den Klimawandel sind in letzter Zeit auch verschiedene Bischofskonferenzen
eingegangen: neben Dokumenten allgemein zur Schöpfungsverantwortung , vor allem die USAmerikanische Bischofskonferenz mit einem Dokument aus dem Jahre 2001 „Global Climate Change“ (vgl. http://www.usccb.org/sdwp/international/globalclimate.shtml) und die Deutsche Bischofskonferenz mit einem umfassenden Expertentext „Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit“ aus dem Jahre 2006 (vgl. unten Punkt 3) (2. aktualisierte Auflage 2007); andere Bischofskonferenzen haben Dokumente in Erarbeitung oder haben Studienseminare dazu veranstaltet.
Auf ökumenischer Ebene hat der Weltrat der Kirchen (WCC) ein „Climate Change
Programme“ (vgl. http://www.oikoumene.org/de/programme/gerechtigkeit-diakonie-und-die-verantwortung-fuer-die-schoepfung.html)  und auf europäischen Ebene haben die bis jetzt stattgefundenen drei Europäischen Ökumenischen Versammlungen, angefangen von Basel (vgl. http://oikoumene.net/home/regional/basel/index.html, 1989) über Graz (vgl. http://oikoumene.net/regional/graz/index.html, 1997) bis zu Sibiu (vgl. http://www.oekumene-ack.de/uploads/media/EEA3FINAL_Message_DE.pdf, 2007) nicht nur erklärt, dass die Schöpfungsverantwortung „als
Bestandteil des kirchlichen Lebens auf allen seinen Stufen zu betrachten und zu fördern“ ist
(Graz, Handlungsempfehlung Nr. 5,1), sondern vor allem Nachdruck gelegt auf nachhaltige
Lebensstile der Christen, „um den Klimawandel aufzuhalten (“that reverse our contribution to
climate change“), so die Empfehlung Nr. 10 von Sibiu.