Papst Franziskus hat einen synodalen Vorbereitungsprozess für die Bischofssynode im Jahr 2023 ausgerufen und alle Christinnen und Christen eingeladen, an diesem Prozess teilzunehmen. Eine erste Phase findet von Oktober 2021 bis Februar 2022 in den Diözesen statt. Alle Christinnen und Christen sind eingeladen, sich zu beteiligen. Hans Rapp koordiniert den Vorbereitungsprozess in der Diözese Feldkirch und ist Ansprechperson für Fragen rund um die Synode. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was dieses Ereignis für Vorarlbergerinnen und Vorarlberger bedeutet.

Was kann ich mir als Laie unter den Begriffen „Synode“ und „Synodalität“ vorstellen?
Hans Rapp: Die kürzeste Übersetzung von Synodalität ist „gemeinsam gehen“. Für Papst Franziskus stellt das gemeinsame Gehen aller Glieder der Kirche das „Betriebssystem“ der Kirche dar. Im Grunde genommen möchte der Papst uns allen eine einzige Frage mit auf den Weg geben: Wie sind wir als Kirche in diesem Land miteinander unterwegs?

Geht es also um Strukturreformen in der Kirche?
Hans Rapp: Nein. Es geht weder um Strukturreformen noch ist die Synode ein Wunschkonzert nach Rom. Die Prozesse in der Katholischen Kirche laufen nicht nach demokratischem Muster ab. Das mögen viele bedauern, es ist aber so. Es ist aber auch nicht so, dass die „Hierarchie“ nach Lust und Laune tun kann, was sie will. Priester, Bischöfe oder der Papst können ihr Amt nur sinnvoll ausführen, wenn sie mit den Getauften in engem Kontakt sind. Das ist für viele selbstverständlich. Pfarrgemeinden würden ja ohne die vielen haupt- und ehrenamtlich Engagierten gar nicht funktionieren. Dieses Zusammenspiel geht aber viel tiefer. In Wahrheit hängt das gesamte Wirken der Kirche von diesem engen Zusammenspiel aller Getauften ab. Die Verantwortlichen für die Synode laden uns dazu ein, über dieses Miteinander nachzudenken: indem wir von unseren Erfahrungen erzählen und einander zuhören. Wo haben wir damit gute Erfahrungen gemacht? Wo klappt das mit dem Miteinander nicht so toll?
Die Früchte dieses weltweiten Nachdenkens fließen in die Bischofssynode ein, die im Oktober 2023 stattfinden wird. Ich bin sehr gespannt, was das Ergebnis dieses Prozesses sein wird. Vielleicht verändert uns dieser Prozess in der Art, wie wir Kirche sind.

Wie können sich die Vorarlberger Katholiken an diesen Vorbereitungen beteiligen?
Hans Rapp: Interessanterweise blicken die Organisatoren der Synode über die Katholische Kirche hinaus. Sie ermuntern uns, auch mit Mitgliedern anderer Konfessionen und Religionen über dieses Miteinander zu sprechen. Für alle, die bei diesem Nachdenkprozess mitmachen möchten, haben wir einfache Behelfe erstellt. Es wäre toll, wenn sich pfarrliche Gruppen wie Pfarrgemeinderäte, Pfarrkirchenräte, Arbeitskreise etc. ca. 1,5 Stunden Zeit nehmen würden, um solche Gespräche zu führen. Vielleicht wagt es auch der eine oder die andere, diese Frage im Freundeskreis zu stellen und mit Menschen darüber zu sprechen, die nicht so „kirchennah“ sind. Das wäre natürlich toll. Wichtig ist, dass sie uns bis spätestens 20. Jänner 2022 die zentralen Punkte dieser Gespräche kurz zusammengefasst zukommen lassen. Wir haben dazu eine E-Mail-Adresse eingerichtet: synode@kath-kirche-vorarlberg.at. Bei Bedarf, bieten wir auch eine Unterstützung in der Leitung dieser Gespräche an.

Was geschieht dann mit diesen Ergebnissen?
Hans Rapp: Wir sammeln und ordnen sie. Dann werden sich der Priester- und der Pastoralrat damit befassen und diskutieren, was der Heilige Geist unserer Diözese mit diesen Rückmeldungen sagen will. Diese beiden Räte werden dann auch die Inhalte bestimmen, die die Diözese auf maximal 10 Seiten an die österreichische Bischofskonferenz weiterleitet. Die Bischofskonferenz fasst die Ergebnisse der österreichischen Diözese zusammen und leitet sie an die Europäische Bischofskonferenz weiter. Diese fasst die nationalen Ergebnisse zusammen. Im Sekretariat der Synode wird aus all diesen Ergebnissen das Arbeitsinstrument für die Bischofssynode im Oktober 2023 erstellt. Die Bischofssynode wird daraus ein Dokument verabschieden, das Papst Franziskus dann fertigstellen und herausgeben wird.

Welche Konsequenzen hat dieser Synoden-Prozess für uns in Vorarlberg?
Hans Rapp: Was die Folgen für die Weltkirche sein werden, ist völlig offen. Die Fragen, die das Vorbereitungskomitee entwickelt hat, sind sehr allgemein. Papst Franziskus geht es zunächst einmal darum, dass wir alle im kirchlichen Alltag eine synodale Haltung einüben: offen darüber sprechen, wie es uns mit dem kirchlichen Miteinander geht, einander zuhören und überlegen, was uns der Heilige Geist in diesem Prozess sagen will. Da könnte ja herauskommen, dass unser Bericht nach „oben“ gar nicht so wichtig ist. Vielleicht ist es ja wichtiger, wie wir in den Pfarren und in unserer Diözese miteinander auf dem Weg sind. Vielleicht entdecken wir, dass wir auf dieser Ebene Schritte hin zu einem besseren Miteinander gehen könnten.

Aktuelles zur Synode finden Sie ab 17. Oktober unter www.kath-kirche-vorarlberg.at/synode