Podcasts, Instagram und Verkündigung - Neu.Land! Koordinatorin Manuela Gangl nahm kürzlich an der digitalen Fachkonferenz "Verkündigung in der neuen digitalen Öffentlichkeit" teil. Was sie dabei Neues für die Katholische Kirche Vorarlberg und die Pfarren vor Ort mitnimmt, erzählt sie in ihrem Erfahrungsbericht.

Manuela Gangl

Digitale Öffentlichkeit und Verkündigung - wie kommt das den zusammen? Das habe ich mich gefragt und deshalb an der digitalen Fachkonferenz „Verkündigung in der neuen digitalen Öffentlichkeit“ von midi, der Evangelischen Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (was übrigens der längste Organisationsname ist, den ich kenne) zusammen mit rund 300 Personen teilgenommen.

Die Tage begannen anregend spirituell mit dem leitenden midi-Direktor Dr. Klaus Douglass. Mit den Schlagworten „Geistige Gehörlosigkeit?“ forderte er auf, nicht nur zu reden, sondern auch den Leuten zuzuhören. Beziehungsarbeit ist laut Douglas wichtig – darunter fallen einladen, im Gespräch bleiben, nachgehen, begleiten und vieles mehr. Dem folgend solle man sich im richtigen Moment auch zurücknehmen, damit der/die Andere in Beziehung zu Jesus treten kann. Richtig reden lerne man zudem nur durch hinhören - deswegen sei der Missionsauftrag dialogisch. Abschließend betonte Douglass, dass für das 21. Jahrhunderte eine neue Kultur des Hörens entwickelt werden müsse, die sich weniger von den Traditionen und mehr von den Fragen der Gegenwart bestimmen lassen müsse.

Glaubenskommunikation. Geht doch!
Auch Kommunikationsexpertin Eva Jung (Agentur Gobasil, Hamburg) gab wertvollen Input für die Arbeit einer pfarrlichen Gemeinschaft. Sie stellte in ihrem Vortrag vor allem zwei Projekte vor und sprach von drei Punkten, die bei einer Projektentwicklung wichtig sind:

  1. Das Bedürfnis der Kunden identifizieren (z.B. Glück)
  2. Die geistliche Entsprechung für dieses Thema zu finden (z.B. Segen)
  3. Diese Entsprechung in eine gesellschaftstaugliche Sprache zurückübersetzen

Die „Dankbarkeitssekunden“ seien ein gutes Beispiel. Bei dieser Kampagne ging es darum, mit Stickern die Möglichkeit zu geben, Dankbarkeit auszurücken. Das kann man sich vorstellen wie ein Stickerblatt, analog zu den Klebern die auf Bananen oder Äpfeln zu finden sind. Die Kampagne steht auf verschiedenen Säulen von ansprechender Impulspost über öffentliche Aktionen bis hin zu Plakaten und Fahnen, die sichtbar werden. Kampagnen würden nur funktionieren, wenn ein mobilisieren und motivieren nach innen und nach außen stattfände. Der Vortrag von Eva Jung  ist in voller Länge hier zu finden. 

Kirche im digitalen Wandel
In einem weiteren Beitrag erklärte Frau Prof. Dr. Gesce Joost, wie Kirche sich der Digitalisierung annähert und welche Bereiche dazu gehören. Als Direktorin des Design Research Lab der Universität der Künste in Berlin legt sie ihren wissenschaftlichen Blickwinkel dazu und verknüpft ihn mit praktischen Beispielen, die zum Nachdenken anregen. Ihr Beitrag gibt es hier zur Nachschau.

Der zweite Tag der digitalen Fachkonferenz war vor allem geprägt durch eine Vielzahl an Workshops, die alle in einem Impuls und Frageteil aufgeteilt waren. In einem Workshop, den ich besuchen durfte, erzählten zwei Pastoren der Ev.-Luth- Landeskirche Hannovers, Bremerhaven - Max Bode und Chris Schlicht - die Geschichte ihrer Pfarren zu Coronazeiten. Sie waren zuvor schon über Social Media mit den Leuten in Kontakt. Sogar Seelsorge kann über ein Instagram Konto funktionieren berichtet Chris. Die beiden sind originelle Typen, die gerne Skateboard fahren und ihre Leidenschaften in ihrem Beruf ihrer Berufung einsetzten. Beide sehen Social Media (v.a. Instagram) als eine ausgestreckte Hand, die die Ortsgrenzen aufsprengt und die Person und nicht die Institution in den Mittelpunkt stellt. Es gibt auch einen Instakanal von ihrer Pfarrei aber der habe nur wenige Follower. In direkten Nachrichten stehen beide „sehr nahe“, fast persönlich, zur Verfügung und es begegnen Ihnen alle Themen und alle Farben den Lebens. Trotzdem bieten Sozial Media beiden eine schützende Distanz. Natürlich haben die beiden auch Gottesdienste oder Andachten gestreamt, jedoch arbeiten sie hier immer im Team und es sei ihnen wichtig, dass die „ZuhauseKirche“ auch in ihren analogen Gottesdiensten rüber komme - im Videobeitrag ist das schön zu sehen. Mehr Infos zu ihnen gibt es direkt in diesem Videobeitrag, oder auf den Instagramkanälen von Max Bode und Chris Schlicht.

Es gab selbstverständlich noch viele weiter spannende Beiträge, hier nur eine exemplarische Aufzählung:

  • Lukas Schienke – Algorithmus-Gott & Storytelling: manchmal muss es hässlich sein und seinem YouTube Kanal: Anders Amen
  • Gunnar Engel –Digitale Gemeinde. Ein Pastor auf YouTube. Mit seinem YouTube Kanal hat er mich voll erwischt. Sei es Bible study, Wohnzimmerkirche oder Frag den Pastor – die Inhalte sinnvoll aufbereitet, sehr kurzweilig und trotzdem informativ.
  • Katja und Heiko von Kiedrowski – #Liveline, ein digitales Gottesdienstprojekt. Sehr professionell aufbereitet – das Gottesdienstprojekt zeigt, dass es nicht reicht, eine Kamera in der Kirche aufzustellen und den Gottesdienst zu filmen.

Alles in allem war die midi-Tagung ein sehr guter Impuls für die weitere Arbeit hier in Vorarlberg. Ich kann jedem nur empfehlen, sich mit den Video-Mitschnitten inspirieren zu lassen.

 

Manuela Gangl

Manuela Gangl
Koordinatorin von Neu.Land! und immer auf der Suche nach der Kirche von morgen.