Die Pfarre Hard stellt die Räumlichkeiten, die Elternbildung des KBW das Know-how, die Moderatorin Estera Diltye ihr leidenschaftliches Engagement. So ist der Harder Gesprächskreis zu einem Beispiel für glückende Integration und wohltuende Seelsorge geworden.

Patricia Begle

Kuba, Deutschland, Mexiko, Ukraine, Russland, Lettland und Österreich. Selten sind in einer kleinen Gruppe so viele Nationen vertreten. Auch Alter und soziales Umfeld der Teilnehmerinnen des Gesprächskreises sind unterschiedlich. Die Frauen leben in einer Partnerschaft oder sind alleinerziehend, die Kinder sind dreißig oder drei. Was allen gemeinsam ist: sie möchten sich austauschen.

Offenes Klima
Den Elternbildnerinnen des Katholischen Bildungswerkes Vorarlberg ist es gelungen, dafür einen guten Rahmen zu schaffen. „Gesprächskreis“ nennt sich das Format. Klar und einfach wie der Name ist auch die Methode. Am Anfang steht eine kurze Vorstellungsrunde und Regeln für das Gespräch werden vereinbart. Eine Moderatorin, die speziell für diese Gesprächsform ausgebildet wurde, sorgt dafür, dass sie eingehalten werden. Damit wird eine Atmosphäre geschaffen, die das Reden erleichtert. Jede hat Zeit zum Ausreden, unterschiedliche Meinungen werden respektvoll nebeneinander stehen gelassen. Was die Gruppe besonders auszeichnet, ist die große Offenheit. Hier haben auch Fehler Platz, niemand muss etwas verbergen.

Zum Reden animieren
Die Themen des Gesprächskreises werden von den Teilnehmenden ausgewählt und stehen als „Material-Pakete“ zur Verfügung. Kärtchen, auf denen Alltagssituationen abgebildet sind, werden am Tisch verteilt. Jede Teilnehmerin sucht sich eines aus und beginnt, darüber zu reden.  Bei Bedarf steht auch eine Expertenmeinung auf einem Kärtchen zur Verfügung. „Die Bilder sind sehr ansprechend“, erzählt Estera Diltye, die Moderatorin der Gruppe, „da beginnen auch Frauen zu erzählen, die sonst eher still sind“. Dass das Reden in der fremden Sprache unheimlich wichtig ist, weiß Estera aus eigener Erfahrung. Vor zehn Jahren kam sie von Lettland hierher. Sie kennt auch die Situation jener Frauen, die kaum in Kontakt mit Einheimischen kommen – unter anderem weil ihnen der Mut zum Reden fehlt.

Offene Türen
Der Weg, den Estera für das Knüpfen neuer Kontakte wählt, scheint genau der richtige zu sein. Sie geht direkt auf Menschen zu und spricht sie an. Manche lädt sie dann zum Gesprächskreis ein, mehr noch, sie „zieht sie mit“. Aus ihrer eigenen Lebensgeschichte hat sie ein gutes Gespür entwickelt für die Nöte und Bedürfnisse anderer.
In der Pfarre Hard ist die Gruppe auf offene Ohren und Türen für ihr Anliegen gestoßen. „Das ist leider nicht immer so“, weiß Wilma Loitz von der Elternbildung. „Sobald es darum geht, für Kinder Platz zu finden - und beim Gesprächskreis wird Kinderbetreuung angeboten - wird es schwierig. In dieser Hinsicht ist die Pfarre Hard überaus gastfreundlich. Sie stellt uns ihre Räumlichkeiten auch für zwei weitere Eltern-Kind-Angebote zur Verfügung.“

Tragende Verbindung
Trotz ihrer kulturellen Unterschiedlichkeit haben die Frauen festgestellt, dass sie im Alltag mit ganz ähnlichen Fragen und Problemen konfrontiert sind. „Kinder sind Kinder, Männer sind Männer und Frauen sind Frauen“, erklärt Estera Diltye augenzwinkernd. Was zählt, ist die Verbindung untereinander, sie ist es, was alle brauchen.

Gesprächskreise

Die Veranstaltungsreihe umfasst vier bis zehn Termine, ein annähernd fixer Elternkreis tauscht sich dabei über Erziehungsthemen aus. Grundlage dabei sind die eltern.chat Materialien. Geleitet werden sie durch eine muttersprachliche eltern.chat Moderatorin oder Purzelbaum Eltern-Kind-Gruppenleiterin.
Gesprächskreise können von Kinderbetreuungseinrichtungen, Gemeinden, Pfarren, aber auch auf private Initiative hin organisiert werden.

www.elternbildung-vorarlberg.at

(aus dem KirchenBlatt Nr. 22 vom 28. Mai 2015)