Eltern besitzen den Mut und die Unerschrockenheit, Kinder auf die Welt zu bringen - alleine das macht sie zu Held/innen. Aber auch Held/innen zweifeln manchmal an sich selbst und geraten an ihre Grenzen. Mit sich selbst gnädig sein, kann dann helfen.

Wilma Loitz

Eltern haben den wichtigsten Job der Welt. Sie leisten 24/7 einen unbezahlbaren Beitrag in unserer Gesellschaft. Sie schlüpfen in unzählige Rollen und machen, was das Leben gerade von ihnen verlangt: Sie sind Lehrer/in, Köch/in, Therapeut/in, Handerwerker/in, Taxifahrer/in und vieles andere mehr. „Ja, aber sind wir deswegen schon Heldinnen?“ fragen auch wir uns Elternbildnerinnen, die wir neben unseren Teilzeitjobs Mamas von mehreren Kindern sind. Wir googlen und finden folgende Definition: Ein/e Held/in ist jemand, der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt. Ja, das machen wir, seit den positiven Schwangerschaftstests unserer ersten Kinder.

Also jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Wir Eltern sind Heldinnen und Helden, weil wir den Mut und die Unerschrockenheit besessen haben, Kinder auf die Welt zu bringen. Ganz unabhängig davon, ob es uns gelingt, alle Ansprüche der Gesellschaft an Eltern oder auch unsere eigenen zu erfüllen. Die Latte liegt hoch und in diesen Zeiten scheint sie nochmals ein paar Stufen höher zu liegen. Da passiert es sehr leicht, dass wir uns als Mama/als Papa als Versager/in fühlen, z.B. wenn unser Kind sich weigert, die aufgetragenen Schulübungen zu erledigen und wir es auch mit allen erzieherischen Tricks nicht dazu bringen können.

Statt den uns auferlegten Druck auf unser Kind weiterzugeben, könnte das die Chance sein, mit uns selbst und der eigenen Ohnmacht gnädig und geduldig zu sein. Dann müssen auch unsere Kinder nicht perfekt sein, und wir können in wachen Momenten sehen: Mein Kind und ich - wir geben beide unser Bestes.

„Es braucht äußerst schwierige Eltern, um Kinder zu verderben“. Dieses Statement des Schweizer Familientherapeuten Daniel Niederberger lässt Eltern aufatmen. Kinder sind keine unbeschriebenen Blätter, die mit Erziehungskraft geformt werden, sondern sie kommen schon als eigene Personen mit Vorlieben, Talenten und einem eigenen Temperament auf die Welt. Wenn Kinder sich außerhalb der Norm entwickeln, oder einfach nur die geforderte Leistung nicht erbringen, wird aktuell sehr schnell das Problem im Elternhaus gesucht. Dazu schreibt Niederberger etwas salopp: „Und vielleicht ist euer Kind einfach ein schräger Vogel, daran gibt es wenig zu rütteln. Wichtig ist, sich deswegen nicht fertigzumachen. Vielleicht verwächst es sich, vielleicht wird sie Künstlerin und vielleicht bleibt sie irgendwie schräg. Es geht darum, damit umzugehen.“

In den sozialen Medien kursiert ein Text, der Eltern auffordert, sich keine zu großen Sorgen bezüglich des versäumten Schulstoffs zu machen und den Kindern stattdessen ganz viel Lebenspraktisches wie Backen, Ölwechseln, Wäsche-Waschen usw. beizubringen. Dieser Text wurde schon viele tausendmal geteilt. Er trifft den Kern unseres Elternseins. Wir wollen wieder mehr selbstgestaltend handeln und mit den Kindern ganz normalen Alltag leben. Alltagsheld/innen haben viele Rollen, aber in einer sind sie unersetzbar: Sie sind Mama und Papa ihrer Kinder - einzigartig, unerschrocken, tief verbunden mit ihren Kindern und dem Leben dienend.

Ich bin ein/e ALLTAGSHELDIN

(aus dem ZEITfenster Nr. 10 vom 25. März 2021)