Von Einsichten, Ausblicken und kleinen Wundern

Meine Tochter bemerkt vor ein paar Tagen ganz nebenbei: "Corona tut uns als Familie richtig gut". Neugierig frage ich nach, wie sie das meint. "Seit wir alle zuhause sind, reden wir viel mehr miteinander, es wird jeden Mittag frisch gekocht und gemeinsam gegessen und meine Schwester ist viel cooler wie vorher", höre ich als Antwort.

Was gut ist...

Ich beobachte mich selbst, ein ganz natürlicher Rythmus hat sich in meinem Leben eingespielt. Ich stehe auf wie immer, muss aber nicht aus dem Haus und es bleibt Zeit für ein stärkendes Morgenritual. Ich koche von dem was da ist und wir essen wirklich mittags zu Mittag, keine Termine oder Stundenpläne an die sich unser Familienleben anpassen muss.

Was mir fehlt...

Ich liebe meine Familie und trotzdem finde ich hier nicht alles was ich brauche. Mir fehlt das befreite Lachen mit Freundinnen über Sachen, die nur wir lustig finden. Mir fehlt die herzliche Begrüßung meiner Kolleginnen, wenn ich ins Büro komme. Mir fehlen die vielen kleinen Begegnungen, die der Tag  mit sich bringt, wenn ich unterwegs bin. Mir fehlt das innere Kribbeln, wenn wir im Team an einem Tisch sitzen und an einer neuen spannenden Sache dran sind.

Ich spüre Dankbarkeit...

Die Sehnsucht zeigt mir, die Fülle meines Lebens, die ich oft gar nicht wahrnehme. Die Reduktion lehrt mich aber auch, dass ich viel weniger brauche, als ich geglaubt habe. So bin ich dankbar für diese einzigartige, besondere Erfahrung, die mich erkennen lässt was wirklich wichtig für mich ist und was ich getrost weglassen kann und ich bin offen für Wunder, wie Schwestern, die durch die Coronakrise viel cooler werden.

Eure Wilma aus der Elternbildung