Was ich vom Löwenzahn lernen möchte

Beim Blick aus meinem Fenster, immer noch im Homeoffice, sehe ich gelb. Er blüht wieder, der umbezähmbare Löwenzahn. Er macht mein Herz froh und leicht und lädt mich ein, über mich und mein Leben nachzudenken.

Löwenzahn der Wilde

Keine andere Blume trotzt der intensiven Bewirtschaftung der Felder mehr wie der Löwenzahn. Jedes Jahr färbt er ganze Wiesen ein, hat Wurzeln, die von Hand kaum ausgerissen werden können und wenn er verblüht, verschenkt er sich so großzügig, sodass im nächsten Jahr jede Ritze, jedes kleinste Stück freie Erde zur Grundlage eines neuen Löwenzahnlebens werden kann.

Wie widerständig bin ich?

Wie sehr trotze ich den Widrigkeiten in dieser Zeit? Lass ich den Kopf hängen, oder suche ich die "freien Stellen" in meinem Leben, um zu erblühen? Und darf ich trotz widriger Umstände, es mir einfach gut gehen lassen, oder ist das irgendwie ignorant dem Leid und Unglück vieler Menschen in dieser Zeit, gegenüber? Der Löwenzahn aus der Ritze zeigt keine Zurückhaltung, er strahlt genau so gelb, wie der neben dem Kompost. Was heißt das für mich?

Verschenke ich mich genug?

Was mich aber an dieser Blume fast noch mehr fasziniert, ist die Verwandlung zur Pusteblume. Bevor sie sich dem absterbenden Zyklus des Lebens hingibt, verschenkt sie alles, was sie hat. Ich dagegen halte fest an Gewohnheiten, an Dingen, an Beziehungen und vergesse dabei oft mich in diesem aktuellen Moment einfach ganz zu verschenken und im nächsten und im nächsten...