Der katholische Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann (1902-1941).

Es waren nur wenige, die sich der nationalsozialistischen Wehrmacht, den Zumutungen eines Eroberungskrieges und dem Treueid auf den obersten Kriegsherrn Adolf Hitler aus politischen und/oder religiösen Gründen zu verweigern wagten. Der überwiegenden Zahl der Zeitgenossen schien eine solche Haltung unverständlich, den Parteigängern gänzlich verabscheuungswürdig. Und obwohl die Geschichte den Unbeugsamen im Nachhinein Recht gegeben hat, war die Nachkriegsgesellschaft nicht bereit, Wehrdienstverweigerung als politischen Widerstand oder Gewissensleistung anzuerkennen. Diese Haltung hat mit traditionellen Gehorsamsprägungen ebenso zu tun wie mit der - besonders von den soldatischen Traditionsverbänden geschürten - Angst, die ehemaligen Wehrmachtsangehörigen könnten durch eine moralische Aufwertung der Verweigerung desavouiert werden.

Die Wenigen, die ihr Leben opferten, weil sie dem Unrechtsregime nicht dienen konnten und wollten, galten als fanatisch, verblendet und als verantwortungslos gegenüber ihren Angehörigen. Nur die verweigernden Zeugen Jehovas konnten zumindest bei ihren Glaubensgenossen mit Respekt rechnen. Nicht die Protestanten, und auch nicht die Katholiken: Die katholischen Kriegsdienstverweigerer unter Adolf Hitler, urteilte der päpstliche Nuntius Cesare Orsenigo, seien "Märtyrer ihrer eigenen Dummheit"[1]. Kein einziger kirchlicher Würdenträger hat ein Gnadengesuch für einen Wehrdienstverweigerer unterschrieben.[2] So blieben es schließlich ganz Vereinzelte, die ausschließlich der Stimme ihres Gewissens und nicht der als unlegitimiert, gesetz- und gottlos erkannten Obrigkeit und auch nicht ihren kirchlichen Ratgebern gehorchten. Wahrscheinlich waren es insgesamt nur sechs Katholiken, die aus Glaubensüberzeugung offen den Waffendienst in Hitlers Wehrmacht verweigerten und unbeirrt den schweren Gang ins Martyrium schritten.[3] Alle diese Männer waren bei ihrer existentiellen Entscheidung zwischen 35 und 40 Jahre alt und allen war eine sehr ernste Frömmigkeit und eine kompromisslose Gläubigkeit zu eigen. Zwei davon haben einen engen Bezug zu Vorarlberg: Der Pallottinerpater Franz Reinisch war 1903 in Feldkirch-Levis geboren, hatte aber seine Jugend und die Studienzeit in Innsbruck verbracht, ehe er 1928 in Untermerzbach bei Bamberg in den Pallottinerorden (SAC) eintrat. Nach demonstrativer Verweigerung des Militärdienstes und des Fahneneids wurde der junge Priester am 21.8.1942 in Berlin-Brandenburg hingerichtet.[4]

Den gesamten Beitrag dokumentiert die Johann-August-Malin-Gesellschaft > hier
Zuerst erschienen in: Susanne Emerich / Walter Buder (Hg.):
Mahnwache Ernst Volkmann (1902-1941). Widerstand und Verfolgung 1938-1945 in Bregenz , Feldkirch 2005, S. 6-11.

Zum Foto rechts oben:  Angestellte der Blohm & Voß-Werft aus Hamburg sind zum Stapellauf des Schulschiffes 'Horst Wessel' versammelt und grüßen mit dem erhobenen rechten Arm den Hitlergruß. Ein Arbeiter in der rechten Bildhälfte verweigert ihn und verschränkt die Arme in einer trotzig wirkenden Geste - auch eine Art des Widerstands. Der Name des Arbeiters ist August Landmesser., 01.01.1936-31.12.1936