Mit der Verhaftung begannen nun wochenlange Verhöre, die als „verschärfte Vernehmung“ (Code zur Verschleierung von Foltermethoden gegenüber Außenstehenden) vom RSHA (Reichssicherheitshauptamt) angeordnet wurden. Der Alltag im Untersuchungsgefängnis war bewusst zermürbend. Carl Lampert wurde in einer Einzelzelle untergebracht. Die kahlen Wände des 3x1m großen Raumes mit vergitterten Fenstern waren erdrückend. Jede Kommunikationsmöglichkeit wurde peinlich verhindert, das dadurch erzeugte zermürbende „NichtstunKönnen“, war eine kalkulierte Schikane.

Mithäftling Propst Daniel schrieb darüber: „Es waren furchtbare Tage, die wir unter dem Druck der Vernehmungen ohne jede Tätigkeit verbringen mussten... Auch ohne Schläge ist man durch die strenge Einzelhaft in der Zelle so zermürbt, dass man zu allem ‚Ja‘ sagen möchte, um nur dem seelischen Druck zu entkommen. (...) Wie furchtbar lang wird einem der Tag, wenn man zum Nichtstun verurteilt in einer so engen Zelle sitzen muss. (...) Ohne jede Beschäftigung oder Zerstreuung muss man sich welche schaffen, um nicht von den aufsteigenden Gedanken ‚zerquält‘ zu werden. Ich kann es jetzt verstehen, wenn einer in solchen Verhältnissen Hand an sich selbst legt, um nur Ruhe zu haben.“

Die einzige Unterbrechung waren die nervenaufreibenden Verhöre, welche über mehrere Stunden bis in den Abend hinein dauerten. Zu Beginn nahm auch Spitzel „Ing. Hagen“ teil, von dem aber die Verhafteten noch vermuteten, dass auch er verhaftet worden war. Während einer Vernehmung bestritt Carl Lampert die Anschuldigungen. Laut Berichten wurde er nun von seinem Sitz hochgerissen und in einen entfernt liegenden Raum verbracht. Die Schmerzensschreie des brutal Zusammengeschlagenen drangen bis zum Vernehmungsraum. Später wird Carl Lampert noch öfters misshandelt und mehrfach bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt. Auch Essensentzug gehörte zu den Foltermethoden. Die Gefangenen erhielten bis zu drei Tage nichts zu essen und trinken oder sie mussten dann rohen Salzhering essen, ohne etwas zu trinken. Pater Lorenz berichtete später, er habe in der Zeit seiner Haft von Februar bis August fast täglich Weinkrämpfe gehabt. Welch innere Kraft sich in Carl Lampert manifestierte und wie felsenfest er in seinem Zeugnis für seinen Glauben war, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe.

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 6 vom 11. Februar 2021)