29. Jänner 1942

Vor 78 Jahren fanden die Treffen der sogenannten „Zinnowitzer Gruppe“ in Deutschland statt. Die Gestapo - durch ihren Spitzel Ing. Georg Hagen vorinformiert - wartete im Vorfeld fieberhaft. Hagen reiste bereits vorab an, um alles für den Besuch von Carl Lampert vorzubereiten. Wie gestalteten sich aber diese „konspirativen Treffen“? Nehmen wir den Freitagabend des 29. Januar 1943: Carl Lampert war mit Pfarrer Plonka bei Hans Krabbenhöft, dem Direktor der örtlichen Sparkassa und Mitglied der NSDAP, und seiner Frau Martha zu Gast. An diesem Abend hörte man im Rundfunk die Niederlage in Stalingrad. Dass über solche Kriegsnachrichten gesprochen wurde, ist menschlich - in zahllosen deutschen Wohnzimmern wurden ausländische Rundfunksender unerlaubt gehört und diskutiert. Leider hatte der Kreis um Carl Lampert einen „agent provocateur“ unter sich. Hagen lenkte unermüdlich die Gesprächsthemen, lachte schallend bei politischen Witzen und gehörte zu jenen, die am schärfsten bei politischen Diskussionen mitdiskutierten. Abends fertigte er aber ausführliche Gedächtnisprotokolle an, in denen er die Namen der Anwesenden notierte, vermerkte, wann, wer und mit wem welche ausländischen Sender gehört hatte. So entstanden 42 umfangreiche, bis heute verschollene Dossiers.

(Aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 4 vom 28. Jänner 2021)