20. Dezember 1943

Jene Stunden, am 20. Dezember 1943 in Halle, zwischen Verhandlung und Urteilsverkündung, mussten für Carl Lampert von bitterster Bitterkeit und trostloser Hoffnungslosigkeit angesichts des abgekarterten Prozessablaufs und der donnernden dreiviertelstündig dauernden Anklage des Staatsanwaltes geprägt sein. Nicht einmal ein Gespräch mit seinem aus Gös angereisten Bruder war möglich, sondern er konnte ihm nur einen jener Blicke zuwerfen, der „viele unausgesprochene Worte“ in sich hatte. Durch das Entgegenkommen des Hauptwachtmeisters gab es dann Gelegenheit für ein wenig Trost und sie durften zwar nicht allein, aber dank des Dialekts ungestört miteinander sprechen. Diese kostbaren Augenblicke mit ihm sorgten dann inmitten des Bangens auf das Urteil für ein klein wenig Glückseligkeit oder wie Julius später meinte, er hätte „lachen können vor Glück, meinen Bruder zu sprechen und zu sehen, weinen über das Wissen der trostlosen Lage“. Julius hatte auf den Knien einen geöffneten Koffer, und vom Mitgebrachten „schnitt und schnitt er herunter, was das Zeug hielt“. In diesen Momenten konnte sich Carl Lampert endlich anvertrauen und von all den erlittenen Misshandlungen sowie den Versprechungen für den Fall seines Kirchenaustritts berichten. Es hätte nur eines Wortes von ihm bedurft, und die Sache wäre erledigt gewesen. Wer wäre hier nicht schwach geworden? Sprachlos hat Julius diesem Bericht zugehört und sich gefragt: „Gibt es überhaupt Menschen, die solches auszuführen imstande sind?!“

Elisabeth Heidinger
Leiterin des Carl Lampert Forums

(Aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 51 vom 17. Dezember 2020)