Man kann verstehen, dass Carl Lampert in einem „Notschrei der Wahrheit“ an seinen Bruder schrieb: „Unter seelischem und auch körperlichem Druck gab ich mehr zu, als wahr war.“ Kriminalkommissar Trettin hatte ein klares Vernehmungskonzept, um den „fanatischen Katholiken“ zu beweisen, dass diese zersetzende Wühlarbeit gegen den Staat betrieben hatten. Er hatte ein sonderbares, aus Sympathie und Hass gemischtes Interesse gegenüber Lampert. Dr. Lampert war - wie sich ein Mithäftling ausdrückte - in den Tagen der qualvollen Verhöre „von Woche zu Woche ins Unermessliche gewachsen“. Trettin spürte die Kraft, die von Lampert ausging und das reizte ihn. Im Buch „Blutzeugen des Bistums Berlin“ vermutete der Autor Heinz Kühn diese innere Kraft als psychologischen Schlüssel für die besonders schwere Misshandlung Lamperts. Umso bewundernswerter war dann das „Widerstehen“ Carl Lamperts, denn die Gestapo wollte ihn auch zur Mitarbeit für NS-Interessen bewegen und versprach sofortige Freilassung: „Herr Lampert, sind Sie doch vernünftig; verlassen Sie die Kirche und Ihr Priestertum. Das ist doch alles nur Hokuspokus. Zeugen Sie Kinder für den Führer Adolf Hitler. Ich werde Ihnen einen guten Posten verschaffen!“ Carl Lamperts Antwort: „Ich liebe meine Kirche. Ich bleibe meiner Kirche treu und auch dem Priesteramt. Ich stehe für Christus und liebe seine Kirche!“

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 7 vom 18. Februar 2021)