Für "Bruder und Schwester in Not" berichtet Robert Lorenz

Zuweilen traut man kaum den eigenen Augen. Aus dem Flugzeug ist fast nur die rotbraune Erde erkennbar. Vereinzelt ragen Bäume und Büsche mit ihrem mageren Grün aus der Erde. Es ist Anfang Juni. Die Zeit, in der es regnet, beginnt erst im November. Jetzt herrschen Trockenzeit und ein kühles Wetter in Malawi. Entlang der Straßen vom Flughafen bis zum Zentrum der Hauptstadt Lilongwe gehen die Menschen auf beiden Seiten in langen Kolonnen. Vor allem die Frauen tragen mit einer scheinbaren Leichtigkeit alle möglichen Habseligkeiten auf dem Kopf. Diese Szenen erwecken den Eindruck, als hätten sich die Bewohner Malawis nie anders durch die trockene Savanne bewegt.

Überdimensionale Plakate der Regierung durchdringen das öffentliche Bewusstsein mit den Problemen dieses Landes: „Stoppt die Korruption – Schützt Malawi – Missbrauche nicht das Kind“. Der hohe Korruptionsindex von Malawi ist ein Beleg für die große Armut eben dieses Landes. Und dieselbe Armut gefährdet den Bestand der Familien. Der Missbrauch an den Kindern beginnt in Malawi schon damit, dass sie von ihren Familien nicht in die Schule geschickt werden, sondern auf den Tabakfeldern ihre Arbeit verrichten müssen.

In Lilongwe werden die Fortschritte der Entwicklungshilfeprojekte mit den „Theresian Sisters“ gemeinsam mit den Verantwortlichen der Aktion „Bruder und Schwester in Not“ besprochen. Ungefähr zweieinhalb Autofahrstunden von Lilongwe entfernt, liegt Malambo. Dort ist die vom Rotary Club Dornbirn, von der Landesregierung Vorarlberg, von Emil Nachbaur und Erwin Reis sowie von der Aktion „Bruder und Schwester in Not“ finanzierte Buschambulanz fertiggestellt worden. Die Theresian Sisters betreuen in diesem abgelegenen Winkel mit dieser Buschambulanz ca. 40.000 Menschen im Umkreis von Malambo. Dies ist eine echte Hilfe für viele Menschen, um die sich bisher niemand gekümmert hat.

 
Mut zur Nächstenliebe in echter Form

Am vergangenen Dienstag, 08. Juni 2010, wurde die Buschambulanz von Malambo von den beiden Bischöfen aus Lilongwe und Feldkirch, Rémi Ste-Marie und Dr. Elmar Fischer, eingewiehen und offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Bischof Dr. Elmar Fischer ist von den Menschen in Malawi sehr beeindruckt: „Ich bin nunmehr nach einer Projektreise in Äthiopien das zweite Mal in Afrika. Hier ist Spontaneität angesagt. Das ist in der Musik spürbar. Aber irgendwann findet irgendwer immer genau das, was es jetzt braucht. Diese Menschen setzen die Texte und biblischen Botschaften in eine wunderschöne Musik um. Hier sind die Menschen sehr entgegenkommend und hilfsbereit. Diese Buschambulanz ist Nächstenliebe in ‚echter’ Form.“

Ein anderes Projekt unterstützt „Bruder und Schwester in Not“ gemeinsam mit dem Feldkircher Gymnasium Rebberggasse, der Mittelschule Sulz-Röthis und der HLW Rankweil. Ohne die Vorarlberger Patenschaften könnten die Mädchen, deren Eltern an Aids gestorben sind, die Berufsausbildung in Katete nicht machen. Die Mädchen von dort und die Rosary Sisters feierten mit den Gästen aus Vorarlberg unter der Leitung von Bischof Dr. Elmar Fischer einen Gedächtnisgottesdienst im Gedenken an Mag. Thomas Smodics, der diese Projekte in Malawi von Anfang an mitbetreut hat und im vergangenen Jahr verstorben ist. Nach dem Gottesdienst legt ein Mädchen aus Katete ihre Hand schüchtern auf das Herz-Logo der Gedenktafel für Mag. Thomas Smodics. Eine Geste, die zu Herzen geht und offensichtlich ein kleines Dankeschön aus dem „warmen Herzen Afrikas“.

Zur Bildergalerie gelangen Sie, wenn Sie in das Bild rechts oben klicken.Im ersten Bild: Bischof Dr. Elmar Fischer und Sister Valentina durchschneiden im Beisein des Bischofs von Lilongwe, Rémi Ste-Marie, das Band vor dem Haupteingang der Buschambulanz von Malambo. Nunmehr wurde diese Buschambulanz offiziell übergeben.