Über Jahre war ihr Mann, Hartmut Dünser, mehrere Monate pro Jahr in Burkina Faso. Er engagierte sich für die Ärmsten. Heuer erhält er dafür den Romeropreis der Katholischen Männerbewegung. Wie seine Frau Frieda diese Zeit sah, erzählt sie heute.

Frau Dünser, Ihr Mann Hartmut war oft mindestens vier Monate pro Jahr - jeweils zwei Monate in Folge - in Burkina Faso. Erinnern Sie sich noch daran, wie er das erste Mal wieder nach Hause zurückkam?
Frieda Dünser: Ja, ich erinnere mich sogar noch sehr genau. Ich habe ihn natürlich schon sehnsüchtig erwartet und wusste überhaupt nicht, was mich erwarten würde. Ich kann nur sagen: Er war nicht mehr derselbe. Natürlich war er zunächst müde, aber dann habe ich gemerkt, dass er immer, wenn ich mich über etwas beschwerte, nur sagte: "Aber Frieda, darum geht es doch nicht." Da habe ich verstanden. 

Die Eindrücke vor Ort in Afrika haben ihn also verändert?
Dünser: Sie haben ihn sehr verändert. Als Beispiel kann ich da erzählen, dass Hartmut immer gerne elegant gekleidet war. Ich habe da auch großen Wert darauf gelegt. Als er dann aus Afrika kam, hat er oft die alten Kleider getragen. Irgendwann hat er dann alle Anzüge aus dem Kleiderschrank geschmissen und gemeint, dass das nicht wichtig sei.

Wie haben Sie das erste Jahr erlebt?
Dünser: Das war schwierig. Wir konnten ja oft bis zu drei Wochen lang überhaupt nicht miteinander sprechen. Dann klappte es vielleicht einmal mit einem Anruf. Aber immer, wenn wir miteinander gesprochen haben, klang er so positiv.

Sie selbst waren bisher auch zweimal in Burkina Faso und auch im Projektzentrum in Diapaga.
Dünser: Ich sehe bis heute noch diese leere Weite vor mir. Wir waren eine kleine Gruppe von Reisenden und plötzlich sehen wir da diese tanzende Frauengruppe, die zur Begrüßung auf uns zukam. Sie haben uns umarmt und so herzlich empfangen. Uns kamen fast die Tränen.

Was hat Sie am meisten an den Projekten vor Ort beeindruck?
Dünser: Das war wohl die Berufsschule für Schneiderinnen. Bei meinem ersten Besuch waren die Frauen noch sehr zurückhaltend. Als ich dann aber nach zwei Jahren wieder kam, da haben mir die Frauen freudestrahlend ihre Kostüme und selbstgenähten Kinderkleider gezeigt. Sogar die Schnittmuster dafür haben sie selbst zu zeichnen gelernt. Wie sie all das, in nur wenigen Jahren geschafft haben, neben sich die schlafenden Kinder, das hat mich beeindruckt.

Dass es nicht immer leicht für Sie war, wenn Ihr Mann in Burkina Faso war und Sie zu Hause in Kennelbach, ist verständlich. Gab es auch kritische Stimmen?
Dünser: Ja, die gab es. Und dann habe ich immer geantwortet: Sein Einsatz ist auch in meinem Sinn.