Das Wort zum Sonntag, 6. Jänner 2019, von Bischof Benno Elbs.

Tausende Kinder und Jugendliche sind in diesen Tagen von Tür zu Tür unterwegs. Mit ihren Liedern und Sprüchen tragen sie am Beginn des neuen Jahres gute Wünsche in die Häuser. Die Sternsingerinnen und Sternsinger bringen den Segen Gottes und zugleich die Bitte, auf die Armen nicht zu vergessen. Sie engagieren sich für ein solidarisches Miteinander und laden ein zu teilen. Mit ihrer Bitte, Menschen in armen Regionen unserer Welt zu unterstützen, sind sie nicht von gestern. Sie setzen sich ein für ein Morgen. Sie treten ein für die Zukunft vieler Menschen, die nicht genug zum Leben haben.

Die Armen sind die Zukunft der Welt

Die biblische Erzählung, an die wir uns morgen am Dreikönigstag erinnern, ist bekannt: Drei Magier aus dem Morgenland folgen einem Stern hin zur Krippe von Bethlehem. Das Licht dieses Sternes zog die drei Männer hin zum göttlichen Kind, das die Welt mit Freude, Liebe und Barmherzigkeit erfüllt. Ein Satz von Bischof Klaus Hemmerle fasziniert mich: „Der Stern hat sich nicht geirrt, als er stehen blieb über dem Haus der kleinen Leute: Dort ist die große Zukunft geboren.“ Gott kommt in einer Futterkrippe zur Welt. Genau dort – im Haus armer, kleiner Leute – ist Hoffnung und Zukunft für die Welt geboren worden. Oder anders gesagt: Die armen und kleinen Leute sind die Zukunft der Welt.

„Lassen wir die Armen nie allein!“

Besonders die Migrationsbewegungen der letzten Jahre haben uns zu verstehen gegeben, dass es uns nicht egal sein kann, wie es den Menschen auf den anderen Kontinenten geht. Mit Bezug auf Afrika hat Hugo Portisch mit prophetischem Scharfblick einmal gesagt: „Um Europa zu retten, müssen wir Afrika retten.“ Wir dürfen nicht auf ihre Kosten wirtschaften und ihr Land und ihre Rohstoffe ausbeuten. Zukunft für die Welt kann es nur geben, wenn wir das Miteinander über das Gegeneinander stellen und den Schrei nach Hilfe nicht an uns abprallen lassen. Zwischen den Armen und der Zukunft der Welt besteht ein enges Band. Wie wir mit den Armen umgehen, wird für das Schicksal der Welt entscheidend sein. „Lassen wir die Armen nie allein!“ (Papst Franziskus)

Segen, Vorzeichen der Liebe

Der Stern hat sich nicht geirrt. Die Krippe, das Haus kleiner Menschen, ist zum Zukunftsort der Menschen geworden. Durch die Dreikönigsaktion leuchtet dieser Stern von Bethlehem hinein bis in unsere Zeit. Der Beginn des Jahres ist auch eine Zeit des Segens. C+M+B: Diese drei Buchstaben stehen für den Segenswunsch: „Christus segne dieses Haus.“ Sie werden auch heuer wieder über vielen Eingangstüren landauf, landab zu lesen sein. Segen zu empfangen, bedeutet: das Leben unter das Vorzeichen der Liebe Gottes zu stellen. Wie in der Musik ein Vorzeichen die nachfolgende Note verändert, so ändert sich durch den Segen Gottes auch unser Blick auf das Leben. Das Vorzeichen des Segens gibt uns Kraft und Halt in schwierigen Situationen.

Für das neue Jahr wünsche ich uns die zwei Dinge, die die „Heiligen drei Könige“ in unsere Häuser tragen: ein solidarisches Miteinander, das die Armen nicht vergisst, sondern sie in die Mitte nimmt. Und den Segen Gottes, der auch im Jahr 2019 in unseren Familien und in unseren Herzen wohnen möge.

Bischof Benno Elbs

Fotocredit: Pfarrei St. Bonifatius Berlinflickr.com / CC 2.0 / Am Haken