Zusammenhänge zwischen Religion und Gesundheit rücken seit einigen Jahren vermehrt ins Blickfeld der öffentlichen Wahrnehmung. Darauf verwies Bischof Benno Elbs in seinem Vortrag zum Thema „Heilung und Versöhnung“ zum Auftakt der diesjährigen Wintertagung der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin am 13. Jänner 2018 in Zug am Arlberg.

So belegen auch neueste Studien, dass gläubige Menschen tendenziell länger leben, weniger Depressionen haben und weniger suizidgefährdet sind. Regelmäßiger Kirchgang und Beten erweisen sich somit als eine wirksame Vorbeugemaßnahme gegen Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesundheitsrisiken fast jeder Art, zitierte Elbs, der auch ausgebildeter Psychotherapeut ist, aus entsprechenden Studien, etwa des Innsbrucker Psychoneuroimmunologen Christian Schubert.

Heilsames Kirchenjahr

Auch das Kirchenjahr sei ein heilsamer Kreis, in dem alles Platz hat – von der Geburt bis zum Tod, Freude und Trauer, Hoffnung und Verzweiflung, Angst und Zuversicht. „Die Rituale während eines Jahres sind wie ein Reiseführer durch die Landschaften unseres Lebens“, so Elbs. Die Feier des Kirchenjahres kann in die Haltung der Dankbarkeit und der Achtsamkeit führen. Bischof Elbs: „Die Dankbarkeit ist so etwas wie der Kardinalsweg, der wichtigste Weg in das Geheimnis Gottes und die Erfahrung des Beschenktseins, des Erwünschtseins, des Wichtigseins, des Bedeutsamseins.“ Ebenso könne sich das Gebet als hilfreich für Heilung erweisen. Zwar funktioniere es nicht als ein simpler Garant für medizinische Heilung. Jedenfalls verändere die Haltung des Gebetes aber die „Lichtverhältnisse der Seele“. Sie stärke die Solidarität untereinander und bringe eine geistliche, transzendente Dimension in eine Krankheitssituation.

Schuld macht krank

Als physisch wie auch psychisch heilsam könne sich z.B. die Versöhnung von Schuld erweisen – sei es eine persönliche Schuld oder auch nur ein Ziel, das nicht erreicht werden konnte. Schuld ist unangenehm, belastend und schmerzend – sowohl für den, der sich schuldig macht, wie auch für den, an dem man schuldig wird. Elbs verwies auf die „hohen Kosten bleibender Unversöhnlichkeit“. Wer eingesperrt bleibe im Gefängnis der eigenen Vergangenheit, schädige sich dadurch nachhaltig: „Wer nachträgt, der trägt auch selbst schwer – an eigenen Gefühlen, Gedanken. Solange ich jemandem etwas nachtrage, gehe ich nicht meinen eigenen Weg.“ Das könne auch Folgen für die eigene Gesundheit haben, zählte Elbs als Beispiele Schlafstörungen, Bluthochdruck oder Herzprobleme auf. Ein gestörtes Verhältnis zu anderen Menschen verursache Beziehungswunden, worunter das Zusammenleben und die Zusammenarbeit leiden.

Versöhnung heilt

Versöhnung – sei es auf horizontaler Ebene unter den Menschen wie auch vertikal gegenüber Gott – erfordere die Schritte der Reflexion, der Einsicht, des Benennens und einer Wiedergutmachung von Schuld. „Die Sorge um das Heil und die Gesundheit der Menschen ist eine der Wesenseigenschaften Gottes“, betonte Elbs. Das werde besonders auch in den Berichten der Bibel deutlich. Heilungsgeschichten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Berichte der Evangelien. Dort, wo Jesus auftritt, werden Menschen wieder gesund, von ihren Sünden befreit; Blinde sehen und Lahme gehen wieder. Darum wurde Jesus in der frühen Kirche bald mit dem Titel „Arzt“ versehen. Heilung erfordere dabei jeweils auch die die Mitwirkung des Menschen. So stelle Jesus dem Blinden zunächst die Frage: „Was willst du, dass ich dir tue?“ (Lk 18,41). Ein anderes Beispiel von Heilung durch Jesus beginnt damit, dass er den Menschen in die Mitte stellt (vgl. Mk 3,3). Heilung im Sinne Jesu bedeute, die Menschen in die Mitte der Aufmerksamkeit zurückzuholen.

Glauben eröffnet neue Lebenshorizonte

Aus christlicher Sicht offenbare sich die Heilsmacht Gottes nicht nur im Gelingen des Lebens, sondern auch im Scheitern, in Krankheit und in Schuld, ja sogar im Tod. Hier werde am deutlichsten sichtbar, dass es im Glauben nicht nur um Gesundheit im Sinn von Überwindung einer Krankheit geht, sondern viel grundsätzlicher und umfassender um die Schaffung neuer Lebenshorizonte. Konkret gehe es um Haltungen wie Dankbarkeit, Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht und eine Haltung des „Trotzdem“, die sich der Fragmentiertheit des Lebens mutig entgegen setzt.

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> Manuskript des Vortrags