Bischof Benno Elbs wünscht sich, dass "Religion nicht für parteipolitische Interessen verwendet wird".

Bischof Benno Elbs hat zum Start der Inlandshilfe-Kampagne der Caritas an die "christliche und gesellschaftliche Pflicht" erinnert, dass kein Mensch in Not und Verzweiflung zurückgelassen werden dürfe. Angesichts der oft sehr "leisen Armut" in Österreich "brauchen wir heute eine Mystik der offenen Augen, die die Not wahrnimmt und ausspricht, und eine Mystik der offenen Herzen, die respektvoll hilft, Wunden heilt und Menschen aufrichtet", sagte der in der Bischofskonferenz für die Caritas zuständige Bischof bei einer Pressekonferenz in Feldkirch, an der auch Caritas-Präsident Michael Landau und der Vorarlberger Caritasdirektor Walter Schmolly teilnahmen.

Die Caritas startet dieser Tage wieder ihre alljährliche Spendensammlung für Notleidende im Inland und lud zu diesem Anlass zu einer Pressereise zu Hilfsprojekten in Vorarlberg. Unter dem Kampagnen-Motto "Hoffnung > Verzweiflung" ist der Fokus dabei vor allem auf Familien gerichtet. Unter den eineinhalb Millionen Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten in Österreichs sind laut Caritas besonders viele Haushalte mit Alleinerziehenden bzw. Mehrkinderfamilien. "Viele Familien stehen heute sehr unter Druck", wies Elbs hin. Ihnen beizustehen sei für den Zusammenhalt und für den sozialen Frieden in Österreich "ganz wesentlich".

"Gott ist hochpolitisch"

Mit Sorge betrachtet der Bischof die wachsende Polarisierung und "aggressiver" werdende Stimmung z.B. gegenüber Flüchtlingen. Elbs sieht die Gefahr von Vereinfachungen und von "Hass- und Gewaltworten", die die gesellschaftliche Atmosphäre auch tatsächlich mit Hass und Gewalt füllen würden. "Sprache erzeugt Wirklichkeit", warnte er. Befragt zum Plakat-Slogan "So wahr mir Gott helfe" des FPÖ-Hofburg-Kandidaten Norbert Hofer sagte Bischof Elbs, Religion solle nicht für parteipolitische Interessen verwendet werden. Gott sei "hochpolitisch" - nämlich parteilich für Arme und Benachteiligte, "aber er ist nicht parteipolitisch", erklärte Elbs. Er kenne die Motive für die Plakate nicht, erwartet sich aber von jeder Wahlbewegung, nicht nur bei dieser Bundespräsidenten-Wahl, dass dabei "mit Respekt vor der Religion und mit Respekt vor religiösen Menschen" agiert wird.

(Kathpress, 29.10.2016)