Gedanken zum Pfingstfest von Bischof Benno Elbs.

Es ist gewagt, Krisenzeiten als Zeiten des Heiligen Geistes zu sehen. So manche Krise schon führte in den Abgrund und entpuppte sich keineswegs als die vielzitierte Chance zur Veränderung. Und trotzdem dürfen wir davon ausgehen, dass der Heilige Geist weht, wo er will: auch heute, mitten in einer Zeit, die angesichts von Krieg, drohender Nahrungskrise und sozialer Verwerfungen nur wenig heilig und wenig geistvoll erscheint.

Heute Pfingsten feiern heißt, dem Ungeist des Hasses und des Egoismus, der Resignation und Empathielosigkeit entgegenzutreten und alles auf den Geist Gottes zu setzen. Der Heilige Geist, wie ihn die Bibel beschreibt, fördert Verständnis füreinander und macht Verständigung unter den Nationen möglich. Er schafft Vielfalt, wo alles in einem Einheitsbrei zu versinken droht, und sorgt für Einheit, wo zerreißende Polarisierung um sich greift. Er bringt Frieden in Krieg und Streit. Er steht für Trost und Beistand. Er ist Feuer und Flamme für das Leben und stiftet göttliche Unruhe dort, wo alles abgemacht scheint. Wer wird leugnen, dass wir all das nicht auch heute brauchen?

Wer sich für Frieden und Solidarität einsetzt, weiß auch, dass dies nur schwer aus eigener Kraft zu erreichen ist. Es bleibt immer ein Unsicherheitsfaktor, über den wir nicht verfügen können. Gegen eine Mentalität der Wichtigtuerei, für die allein das eigene Können zählt, setzt das Pfingstfest einen Kontrapunkt. „Empfangt den Heiligen Geist“, sagt Jesus im Evangelium und meint damit auch: Das Wesentliche des Lebens – Liebe, Vertrauen, Glück, Glaube, Zufriedenheit, Dankbarkeit – können wir nicht selbst produzieren. Vielmehr wird es uns geschenkt. Dankbar sein zu können für das, was Gott für uns bereithält: Auch das ist eine der pfingstlichen Gaben, die mit dem Heiligen Geist in die Welt kam. Sie wünsche ich uns ganz besonders.  

Bischof Benno Elbs