Gedanken zum Weihnachtsfest von Bischof Benno Elbs

Weihnachten hat im Grunde eine ganz einfache und zu Herzen gehende Botschaft: Gott kommt zu uns. Er klopft an die Tür unseres Lebens, um mit uns seinen Traum von einer Welt, in der alle Menschen menschenwürdig leben können, zu verwirklichen.

Menschenwürdig leben?, höre ich Sie jetzt fragen. Wenn ich die Zeitung aufschlage, finde ich mich in einer Welt wieder, die mit der adventlichen Grundmelodie nicht so recht zusammenpasst. Da kommt mir eine Welt entgegen, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufreißt. Ich sehe die Ausbeutung unseres Planeten, die das Klima kaputt macht. Ich sehe Kinder, die auf griechischen Inseln in unmenschlichen Bedingungen ausharren müssen. Der jüdische Schriftsteller und Shoa-Überlebende Elie Wiesel schrieb einmal: „Überall dort, wo Menschen verfolgt werden, wo sie leiden und hungern – dieser Ort muss im selben Moment zum Mittelpunkt des Universums werden.“ Mittelpunkt in dem Sinn, dass alle Energie darauf verwendet werden muss, um solidarisch zu sein und zu helfen.

Zu Weihnachten tut Gott genau das. Er kommt im wahrsten Sinn des Wortes zur Welt und macht alle armen und leidenden Menschen zu seinem Mittelpunkt. Die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem ist jedoch nicht ein Kurzbesuch Gottes auf der Erde, um nach dem Rechten zu sehen. Er ist bis heute unter uns, um das Mensch-Sein mit uns zu teilen. Seither gilt: Wer den Himmel sehen will, muss sich zu den Menschen bücken. Wer in das Gesicht eines Neugeborenen blickt, das in Armut geboren wird, blickt in das tiefste Geheimnis Gottes.

Während alle Welt im Moment auf Distanz lebt, ist an Weihnachten der Abstand zwischen Gott und Mensch zusammengeschmolzen auf null. Diese Zusage, dass Gott in unser Leben kommt, möge Ihnen am heurigen Weihnachtsfest Trost und Zuversicht schenken. Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Bischof Benno Elbs