Gedanken zum Pfingstfest von Bischof Benno Elbs

Taube, Feuer, Beistand, Tröster – für den Heiligen Geist, der zu Pfingsten im Mittelpunkt steht, gibt es viele Bezeichnungen. Eine ganz besondere findet sich in einem Gedicht von Wilhelm Bruners: „Als Jesus sich von seinen Freunden verabschiedete, hängte er ihnen keine Orden an die Brust (…) oder beförderte er sie nicht auf einen höheren Posten. Als er sich von seinen Freunden verabschiedete, gab er ihnen seinen langen Atem.“ Ein langer Atem – ich finde, das ist nicht nur ein sehr passendes Bild für den Heiligen Geist, sondern auch für unser aller Lebenssituation. Denn wer hat diesen langen Atem im letzten Jahr nicht gebraucht: beruflich; im Familienleben zwischen Homeoffice, Homeschooling und Alltag; im Vereinsleben?

Unser Leben mit der Pandemie hat etwas gezeigt: In Grenzsituationen sind wir zu diesem langen Atem fähig. Behalten wir ihn uns, wenn das Leben wieder auf „normal“ zurückschwingt. Denn die Luft darf uns noch länger nicht ausgehen, weder in der ökologischen Frage noch bei Themen wie Pflege, Flucht, Bildung oder sozialer Gerechtigkeit. Jede und jeder von uns trägt dabei Verantwortung: für sich und für die Gemeinschaft. Denn als solche sind wir darauf angewiesen, dass die Einzelnen nicht nur an sich denken, sondern dass wir alle tief Luft holen und Mitmenschlichkeit und soziales Gespür unser Handeln bestimmen lassen. Zu empathischem und rücksichtsvollem Verhalten kann ich nicht gesetzlich verpflichtet werden. Es gibt kein Recht auf Barmherzigkeit. Umso wichtiger ist es deshalb, Menschlichkeit zu fördern und zu stärken, wo auch immer wir ihr begegnen.

In einem sehr alten Gebet zum Heiligen Geist heißt es: „Komm, der alle Armen liebt; komm, der gute Gaben gibt; komm, der jedes Herz erhellt.“ Der pfingstliche Geist Gottes stärkt den Zusammenhalt und bewirkt Verständigung unter den Völkern. Er verbindet, was getrennt ist. Er heilt verwundete Herzen und schenkt uns einen langen Atem, um immer wieder aufeinander zuzugehen. Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich ein gesegnetes Pfingstfest.

Bischof Benno Elbs