Hirtenwort von Bischof Benno Elbs im Advent 2018

Mit einem Festmahl im Feldkircher Diözesanhaus fing das Jubiläumsjahr „50 Jahre Diözese Feldkirch“ an. Ganz bewusst haben wir mit jenen gefeiert, die nicht auf die Sonnenseite des Lebens gefallen sind und an die nur wenige denken. Beim großen „Fest am See“ war es das Teilen mit Straßenkindern in Kenia, das durch die Sozial­aktion „We like to move it“ und das Engage­ment von über tausend Ministrantinnen und Ministranten ein Gesicht bekam. Am 8. Dezember, dem Fest Mariä Erwählung, feiern bzw. feierten wir mit dem Festgottesdienst im Dom und im Montforthaus den Abschluss und Höhepunkt dieses Gedenk-Jahres für unsere Diözese.

Hoffnung weiterschenken

Am „Tisch des Herrn“ ist für alle Platz. Oft reicht es schon, ein bisschen zusammenzurücken, damit das Mahl wirklich zu einem „Festmahl für alle“ werden kann. In diesem Sinn ist man auch vor bald 60 Jahren zusammengerückt. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges war der Wiederaufbau geschafft. Die Menschen in unserem Land richteten den Blick wieder über den eigenen Gartenzaun hinaus, dorthin, wo andere unter weit schwereren Bedingungen leben mussten. Um Hoffnung weiterzuschenken und zu helfen, haben engagierte Christinnen und Christen die Aktion „Bruder in Not“ ins Leben gerufen – heute heißt sie inzwischen „Bruder und Schwester in Not“. Der Wunsch, mit Entwicklungs-Hilfe zur Selbst-Hilfe eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände anzustoßen, hat sich bis heute nur teilweise erfüllt. Mehr noch, die unbarmherzigen Gesetze von Profit und Finanzmärkten verschärfen die ungleiche Verteilung der Ressourcen noch zusätzlich. Mitleid oder Euphorie des Wiederaufbauens reichen nicht mehr aus. Heute erleben wir mehr denn je, wie sich Notleidende auf den Weg machen und neue Chancen nach Lebens- und Überlebens-Möglichkeiten suchen. Sie erfahren sich als ausgeschlossen vom „Festmahl für alle“. Sie sind auf Herbergssuche.

Zum äußersten Punkt der Sehnsucht

Wieder stehen wir im Advent. Es ist die dunkelste und kälteste Zeit des Jahres. Da rückt man zusammen, wärmt einander. Advent ist vor allem die Zeit des Zugehens auf das Ankommen Gottes in diese unsere Welt. Der äußerste Punkt aller Sehnsucht, der Inbegriff des tiefsten Glücks, das ist Gott. Wir können ein bisschen mehr Licht und Wärme in unsere Welt bringen, wenn unser Herz dafür brennt. Wir helfen mit, dass Menschen wieder Menschen werden können.

Die unlogische Logik des Teilens

Eine alte menschliche Weisheit öffnet dazu den Weg: Das Schöne, Frohe und Gute vervielfacht sich, wenn wir es mit anderen zu teilen beginnen. Die Stimme des Propheten Baruch lädt dazu ein: „Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an. Senken sollen sich alle hohen Berge und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land“ (Bar 5,2). Senken sollen sich die Berge der drückenden Lasten und Sorgen und ebnen die Täler der Tränen. Wenn wir teilen – Glück und Freude, Not und Sorge – dann kann dieses Wunder geschehen. Wenn wir, vielleicht nur ganz im Kleinen, das Gute tun und auf unser Herz hören, dann spüren wir Gott in unserer Mitte. Dann bereiten wir dem Herrn den Weg und die Vorfreude auf das Fest der Geburt Christi wächst von Tag zu Tag. Das wünsche ich uns allen von Herzen.

Bischof Benno Elbs