Gedanken zum Sonntag von Bischof Benno Elbs.

Immer wieder merke ich: Wichtige Botschaften kommen mit ganz wenigen Worten aus. Gerade in den bewegendsten Momenten des Lebens, wenn Freude und Trauer, Glück und Schmerz einen überwältigen und den Atem rauben, braucht es nicht viele Worte. Ich denke an die unbeholfenen Versuche, jemandem seine Liebe zu gestehen; an den Augenblick, an dem man das eigene Kind zum ersten Mal in den Armen hält; oder an dieses einfache Wort „Ja“, das im Zentrum jeder Hochzeit steht. Einfach nur Ja“. Damit ist alles gesagt. Jedes zusätzliche Wort wäre überflüssig.

Wort – Fleisch

Bei den großen Hoch-Zeiten des Lebens – dort, wo es um Solidarität, Liebe, Treue, Freundschaft oder eine Lebensaufgabe geht, – ist ein Weniger an Worten mehr. Und es geht nicht um Worte allein. Diese Momente werden auch emotional spürbar: in Tränen, einer zitternden Stimme, einem strahlenden Lächeln. Wort und Emotion kommen zusammen. Das Gesagte wird körperlich fassbar. Oder anders: Das Wort wird Fleisch.

Genau so beschreibt der Evangelist Johannes in seinem berühmten „Prolog“ das Ereignis von Weihnachten: Am Anfang war das Wort – und es wurde Fleisch. Nicht viele Worte, sondern ein Wort. Dieses Wort ist nicht Wort geblieben, sondern ist Fleisch, d.h. Mensch geworden, und hat in Jesus ein Gesicht und einen Namen bekommen. Gott sagt bedingungslos Ja zum Menschsein, indem er ein Kind wird und unser Leben teilt. Die Liebeserklärung Gottes an den Menschen konnte nicht nur Wort bleiben, sondern musste konkret hörbar, sehbar, erfahrbar und begreifbar werden. Das Wort Gottes wurde Mensch, um so die Herzen möglichst vieler erreichen zu können.

Gott schaut die ganze Welt an

Gott sagt Ja zum Menschen. Mit dieser wunderbaren Botschaft können wir mit Freude und Zuversicht in das neue Jahr gehen. Begleitet werden wir dabei wieder von den Sternsingerinnen und Sternsingern. Sie sind in diesen Tagen erneut von Tür zu Tür unterwegs, tragen die Botschaft von Weihnachten in die Häuser und bitten um Unterstützung für Menschen in den ärmeren Regionen der Welt. Durch die Sternsingeraktion leuchtet der Stern von Bethlehem bis in unsere Tage fort. Die „heiligen drei Könige“ zeigen, dass Jesus mit den Augen Gottes nicht nur uns, sondern die ganze Welt anschaut. Sein liebender Blick gilt besonders den Armen, Benachteiligten, Verfolgten und Vertriebenen. Ich bin mir sicher, dass wir nur dann in eine gute Zukunft gehen können, wenn auch wir mit einem solchen Blick auf die Welt schauen und so das Miteinander über das Gegeneinander und Solidarität über Egoismus und Nationalismus stellen.

Der Beginn des neuen Jahres ist eine Zeit des Segnens. Was ich zu Beginn gesagt habe, trifft im Übrigen auch auf die Segensbotschaft der Sternsingerinnen und Sternsinger zu: Sie kommt mit wenigen Worten aus. C+M+B – Christus segne dieses Haus. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass dieser Segen Sie und Ihre Familie im kommenden Jahr begleiten möge.