Das Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast hat seit Mitte Mai wieder geöffnet und macht fast ganz genau da weiter, wo es aufgehört hat…

Charlotte Schrimpff

Vor Corona ist nach Corona - zumindest hier, zumindest fast: Vor Corona, an einem Mittag im späten Februar, brummte der Laden, wie man so sagt. Im großen, hellen Speisesaal des Hauses war die Salatbar permanent umringt von Jugendlichen, die sich Salatblätter in ihre Schälchen legten, geraspelte Karotten, Randig, ein wenig Dressing obenauf, derweil sie auf ihr Hauptgericht warteten: Wiener Schnitzel mit Pommes Frites.

Daniel Mutschlechner, den Leiter des Hauses, freute das. „Ich bin mir sicher, dass viele von den Schülerinnen und Schülern daheim nicht so zulangen, wenn Salat am Tisch steht. Das zeigt, dass wir mit unserer Art der Präsentation nicht so falsch liegen.“
Auch wenn es sicher noch ein bisschen dauert, bis diese trubelige Normalität wieder einkehrt: Das Wie und Drumherum des Essens und Trinkens steht auch jetzt, nach dem Lockdown, im Fokus des Teams um Mutschlechner: „Gutes Essen ist hier in Arbogast schon länger ein Thema - das war auch meinen Vorgängern sehr wichtig. Wir wollen das jetzt nur ein bisschen konsequenter weitergehen.“

(Fast) alles anders?

Das ist die bescheidene Umschreibung für einige durchaus nennenswerte Neuerungen. Eine davon: Statt sechs- bis siebenmal gibt es beispielsweise nur noch viermal pro Woche Fleisch - jeweils neben einem vegetarischen Menü, das auf Wunsch auch vegan erhältlich ist (an diesem Tag: Linsenbällchen auf einer Tomaten-Gemüse-Sauce mit Zitronen-Couscous). An zwei Tagen steht ausschließlich Vegetarisches auf der Karte und freitags hat man die Wahl zwischen Vegetarischem und Fisch.

Bildung geht durch den Magen.

„Interessanterweise ist es oft eine Generationenfrage, wer eher zum vegetarischen Menü tendiert und wer Fleisch isst“, erzählt Rolf Koinig, der Serviceleiter des Hauses. „Es geht aber auch um das Storytelling, um die Hintergründe.“ Wo im Ländle etwa das „Schnitzel“ noch bis vor wenigen Wochen herumgesprungen ist oder aus wessen Beet der Randig stammt: All das steht darum mit auf dem Menüblatt. „Wir haben einen Bildungsauftrag“, erklärt Mutschlechner. „Aber den erfüllen wir nicht mit gerunzelter Stirn und erhobenem Zeigefinger, sondern mit Genuss.“
Das bedeutet auch, dass keine konventionelle Limonade mehr ausgeschenkt wird, sondern Bio-Cola mit weit weniger Zucker. Dass das Bier von der geografisch am nächsten gelegenen Brauerei kommt und die (hervorragende!) Schokolade aus einer kleinen Manufaktur in Scheidegg.

Essen als Erlebnis.

Wissen, wo die Dinge herkommen, wissen, was man wann und wie am besten isst: Vor allem Kindern macht kaum etwas mehr Appetit, als selber einzukaufen (oder gar zu ernten), zu schnippeln, zu rühren, zu braten - Essen also mit allen Sinnen zu erfahren. So lange Arbogast keine eigene Versuchsküche für Schüler oder Gäste hat - ein Traum von Mutschlechner und Koinig - müssen diese Erlebnisse auf anderem Wege her.

Zum Beispiel über das Ambiente: „Egal, ob der Bischof da ist, ob der Landeshauptmann oder eine Schulklasse - bei uns ist der Tisch immer gleich fein gedeckt“, sagt Mutschlechner mit Blick auf das reinweiße Tischtuch, die Blumenvase in der Mitte, das gute Geschirr und Besteck. Aber Koinig und er glauben, dass da noch mehr geht: „Unser Zauberwort heißt ‚Aufenthaltsqualität‘“, so Mutschlechner. „Mal ein Lagerfeuer draußen, mal eine Bar, dazu ein schönes Licht…“

Geiz ist nicht geil.

In diesem Geist stehen die regelmäßigen Slow-Food-Abende, bei denen sich Produzenten über die Schulter schauen lassen und ihre Erzeugnisse von Küchenchef Simon Gamper in einem passenden Menü kredenzt werden, oder der neue „Feierabend“, der den Arbogaster „Dorfplatz“ freitagabends zum Treffpunkt an der Feuerschale macht - mit kühlen Getränken, einem kleinen Imbiss, umrahmt von Hunderten Windrädern der Künstlerin Anna Rubin (Details siehe unten).

„Das alles gibt es natürlich nicht für nichts“, stellt Mutschlechner die Preisfrage. Das Mittagsmenü kostet in Arbogast 15 Euro - nicht wenig, das sei ihnen schon bewusst. „Auch wir könnten natürlich billiger einkaufen, wenn wir stumpf auf Masse setzen würden und Prinzipien wie Nachhaltigkeit und Ökologie in den Wind schießen“, ergänzt er. „Aber das Spiel möchten wir nicht mitspielen - und wir hoffen, dass unsere Gäste das auch so sehen.“

Die Hoffnung ist zum Glück nicht ganz unbegründet; die Nachfrage spricht für sich: Rund 50.000 Mahlzeiten gibt die Küche im Jahr aus - und da sind die selbstgebackenen Kuchen aus dem Café, die neuen Suppenweckgläser zum Aufwärmen oder Mitnehmen oder die Snacks und Imbisse bei Veranstaltungen nicht eingerechnet.
„Was ich mir wünschen würde: Wenn man ein lässiges Seminar machen will, wo es wirklich um etwas geht, dass man da an uns denkt, weil das Essen gut ist, weil die Räume passen und weil die Gastfreundschaft da ist“, sagt Mutschlechner. Er hätte auch sagen können: Arbogast eben. «

Zum Vormerken

2020 unterstützen Sie mit Ihrem Genuss-Besuch in St. Arbogast nicht nur das Haus, sondern auch viele kleine Produzenten und Händler, die die Küche wochenlang nicht beliefern konnten. Die Menüs werden laufend auf www.arbogast.at veröffentlicht. Anmeldungen unter E

Veganer Mittagstisch
Unter der Regie von Küchenchef Simon Gamper, der sich selbst vegan ernährt, gibt es über den Sommer zweimal wöchentlich - jeden Mittwoch- und Freitagmittag - einen veganen Mittagstisch. Das Hauptgericht kostet 11 Euro, das gesamte Menü inkl. Salat und veganem Dessert 18 Euro. Bitte um Reservierung am selben Tag bis 10 Uhr. Beginn: 12 Uhr.

Genuss-Menü
Jeden Donnerstagabend im Sommer zeigt die Arbogaster Küchen-Crew beim Dreigang- Menü, wie saisonale, vorwiegend regionale Produkte auf raffinierte Weise zubereitet werden können. Bei guter Witterung wird im Hof serviert, bei Regen im großzügigen Speisesaal. Preis pro Person: 28 Euro inkl. Aperitif, zzgl. weiterer Getränke. Bitte um Reservierung bis Dienstag der jeweiligen Woche. Aperitif ab 18.30 Uhr, Menü ab 19 Uhr.

Feierabend
Am Arbogaster Dorfplatz drehen sich heuer Hunderte Windräder. Eingerahmt von Anna Rubins  Kunstinstallation dient der Platz als Treffpunkt, um wieder Luft zu holen, Bekannte zu treffen und ins Gespräch zu kommen. Jeden Freitagabend wird die Feuerschale entzündet, dazu gibt es bis 23 Uhr feine Getränke und Imbisse zum Auftakt ins Wochenende. Reservierung erwünscht, aber nicht erforderlich. Bei Regenwetter im Café. Ab 18 Uhr. Auftakt: Fr, 12. Juni 2020.

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 24 vom 11. Juni 2020)