Mit seiner ganz persönlichen "Mission Vorarlberg" habe Michael Fliri die Schatztruhe "seines" Archivs geöffnet, erklärte Laudator und Berufskollege, Christoph Volaucnik bei der Präsentation des aktuellsten Buches zur Geschichte des Christentums in Vorarlberg. Das dampft knapp 2000 Jahre Christentum auf rund 300 Seiten ein und ist schon allein deswegen eine Mission für sich.

Ein bisschen gerechnet hätten sie schon, als zum ersten Mal die Idee am Horizont auftauchte, dass man für das Gebiet des heutigen Vorarlbergs doch so etwas wie eine Geschichte des Christentums verfassen könnte, erklärte Gottfried Kompatscher vom Tyrolia Verlag. Aber rechnen müsse man bei jedem Buch und sehr bald sei sehr klar gewesen, dass man die "Mission Vorarlberg" - so der Titel der soeben erschienen Publikation - eingehen wolle. "Wir machen auch gerne Bücher mit Vorarlbergern", lautete Kompatschers Resümee der etwas mehr als 12 Monate, die seit dem Start der Mission vergangen sind.

Druckfrisch

Nun liegt das Buch vor und wurde in der Dachgalerie des Feldkircher Montforthauses druckfrisch dem zahlreich erschienen Publikum - darunter neben Generalvikar Rudolf Bischof und Feldkirchs Bürgermeister Wilfried Bertold mit Gattin Sonja auch Pastoralamtsleiter Martin Fenkart, der Obmann der Vorarlberger Volkshochschulen Stefan Fischnaller, Feldkirchs Bezirkshauptmann Herbert Burtscher oder auch der Leiter des Katholischen Bildungswerks Hans Rapp - präsentiert. Und das Interesse war groß.

"Wer ohne Geschichte lebt, lebt wie ein Baum, dessen Wurzeln abgeschlagen sind. Es wird für ihn gefährlich. Er verliert den Halt und findet keine Nahrung. In der Erinnerung können wir das, was geworden ist, besser verstehen. So war es wohl einer der wichtigsten Momente, dass wir uns zum Dözesanjubiläum nicht nur an 50 Jahre zurückerinnern, sondern an die ganze Entstehungsgeschichte des Christentums in unserem Land", legte Generalvikar Rudolf Bischof, in dem das Buch von Anfang an einen Fürsprecher und Motor gefunden hatte, die Zielvorgaben vor.

Wo anfangen

Dass es nach mehr als 80 Jahren nicht mehr zu früh war, sich wieder einmal der Geschichte des Christentums zwischen Bodensee und Arlberg zu widmen, stellte Christoph Volaucnik, seines Zeichens Stadtarchivar von Feldkirch, gleich zu Beginn seiner kleinen Festrede fest. Aus den 1930er Jahren datiert nämlich die letzte derartige Zusammenschau. Damals brütete Andreas Ulmer über dieser Mission. Heute war es Diözesanarchivar Michael Fliri. Und es hat seine Gründe, warum mehrere Jahrzehnte ins Land strichen, bis sich wieder einer fand, der die Herausforderung annahm, knapp 2000 Jahre an Geschichten und Geschichtlichem, an Daten, Fakten und Erzählungen zwischen zwei Buchdeckel zu spannen. Wo fängt man da an und wo hört man auf, waren Fragen, die hier ganz zu Beginn nach Antworten verlangten.

"Mission" angenommen

Michael Fliri beantwortet diese Frage, so führte Volaucnik aus, indem er zunächst die Vorzeichen für das sortierte, was später einmal die Katholische Kirche in Vorarlberg werden sollte. Und die beginnen bei den Römern und der Zeit, als das Gebiet des heutigen Vorarlbergs zwischen Chur, Konstanz und Augsburg aufgeteilt war. Jedem Kapitel ist eine kurze Einordnung der Zeitumstände nach historischen, gesellschaftspolitischen und volkskirchlichen Aspekten vorangestellt. "Michael Fliri betont auch immer wieder die Bedeutung der Orden für das Land und dessen Entwicklung. Er zeichnet nach, wie die Jesuiten, die Kapuziner etc. ins heutige Vorarlberg kamen, verknüpft Ordensleben mit Schulgeschichte, mit Alltagsleben, mit Sozialem." Anhand von Heiligenbiographien und -legenden werden Lichtkegel auf die Volkskirche und deren oftmalige Funktion als Motor hinter gesellschaftlichen Entwicklungen geworfen.

Was Kirche und Land so gemeinsam haben

Vieles, was Kirche, Land und Leute seit Jahrhunderten verbindet, werde, so Christoph Volaucnik, in dieser "Mission Vorarlberg" erstmals zusammengeführt und publiziert. Ein bisher unbekanntes Foto des Open Airs "Flint", mit dem in den 1970er Jahren der jugendliche und kulturelle Widerstand seinen Ausdruck fand, gehört da ebenso dazu, wie auch der kritische Blick auf die jüngsten 50 Jahre, die Kirche und Land miteinander geschrieben haben. "Die teilt Michael Fliri in zwei große Kapitel - nämlich ,Leichteres' und ,Schwereres' - ein. Eine Einteilung, die mir in dieser Form ebenso neu war." So sei mit "Mission Vorarlberg" ein Nachschlagewerk entstanden, das die Türe aufgestoßen habe in die Schatztruhe der Archivbestände und in die Schatztruhe der Geschichte.

Wetten...

Und die Frage nach dem "Warum", also warum die "Mission Vorarlberg" ab sofort einfach in jedem heimischen Bücherregal vertreten sien sollte, fällt dann so simpel wie einleuchtend aus: Wer auch immer in dem Buch zu blättern beginnt, der findet garantiert Neues und bisher Unbekanntes zu Kirche, Land und Leute - wetten.

Buchtipp

Michael Fliri: "Mission Vorarlberg. Geschichte des Christentums zwischen Bodensee und Arlberg",  280 Seiten, ca. 200 Abbildungen. Tyrolia Verlag. Innsbruck 2018. 29,95 Eur.

www.tyrolia.at

Das Buch ist im Buchhandel und in der Medienstelle der Katholischen Kirche Vorarlberg erhältlich.