Liebe Gläubige!

Innerlich bewegt und mit großer Freude wende ich mich heute an euch. Wie bereits in den Nachrichten bekannt gegeben, bestätigte Papst Benedikt XVI. am 27. Juni 2011 das Martyrium von Dr. Carl Lampert, dem Provikar für Tirol in der ehemaligen Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch von 1939 bis 1944.

Dr. Carl Lampert, gebürtig aus Göfis, ist der ranghöchste Priester Österreichs, der in der Zeit des Nationalsozialistischen Regimes um des Glaubens willen und aufgrund seiner Treue zur Kirche hingerichtet wurde. Sein gewaltsamer Tod gehört zu den Tragödien in der Auseinandersetzung von Kirche und Partei zu einer Zeit, in welcher Menschenwürde mit Füßen getreten, Gerechtigkeit ein bloßes Wort, Glaube an Gott verpönt und Standfestigkeit zur Kirche gefährlich, ja lebensgefährlich waren. 

 

Mut in lebensgefährlichen Zeiten

Die Kirche lebt nicht nur im Blick auf die Unendlichkeit, sondern auch stets in Raum und Zeit und in der konkreten Gesellschaft. Deshalb sind alle Gläubigen aufgerufen, ihre Zeit und ihren Raum aus dem Glauben an Gott heraus und aufgrund der Werte der Heiligen Schriften zu gestalten. Nicht nur für die Kirche ist die Zeit des Nationalsozialistischen Regimes geprägt von großer Angst und großem Mut, von Gleichgültigkeit und Standfestigkeit. Dr. Carl Lampert ist ein Vorbild für großen Mut und Standfestigkeit in einer Zeit, in der beide Haltungen zwangsläufig zu Konflikten mit den staatlichen Stellen führten, vor allem in Tirol und Vorarlberg, wo es für den damaligen Gauleiter erklärtes Ziel war, beide Länder zum ersten klosterfreien Gau des Deutschen Reiches zu entwickeln. Die Priester und Ordensgemeinschaften in Tirol konnten sich auf „ihren“ Provikar verlassen, wenn sie von der geheimen Staatspolizei aufgrund von Predigten oder des seelsorglichen Engagements gefangen genommen wurden. Sein überzeugtes Eintreten für die Wahrheit, wo Ideologie vorherrschte, die  unverzeihliche Verbrechen nach sich zog, sowie sein fester Widerspruch, als verschiedene Ausbildungsstätten für Priester und Klöster aufgelöst sowie Ordensfrauen und Ordensmänner gewaltsam vertrieben wurden, sind nur einige seiner großen Taten. All das konnte er auf sich nehmen, weil er um den Beistand wusste, dem zuliebe er das alles auf sich nahm. 

 

"Gerne würde ich das Ende dieser Schreckensherrschaft erleben"

„Gerne würde ich das Ende dieser Schreckensherrschaft erleben, aber wenn es sein muss, sterbe ich auch gern, denn ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, sagt Dr. Carl Lampert kurz vor der Hinrichtung zu einem Mithäftling. „Aber nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille geschehe!“ – Jesu Ringen am Ölberg beschreibt auch das Ringen Lamperts, sich nicht durch menschliche Schikanen von der Treue zu Gott abbringen zu lassen. Durch sein Tun und seine Haltungen hat Carl Lampert persönlich Anteil an der Heiligkeit Gottes erlangt. Er wurde so zum Zeuge für jenes Heil, das Gott der Welt schenken will und dessen Verkündigung der Kirche anvertraut ist, gerade in Zeiten der Finsternis, des Grauens und der Orientierungslosigkeit. Carl Lampert ist konkret erlebtes und sichtbares Zeugnis dafür, dass die Heiligkeit der Kirche durch gereifte und von christlichen Werten geprägte Persönlichkeiten spürbar gemacht wird, also nicht durch Ideen und Ideale. Die Kirche hat keinen abstrakten Heiligkeitskult, sondern verehrt konkrete Heilige und Selige, welche die Botschaft des Heils spüren lassen.

Im Hier und Jetzt

Mit Carl Lampert dürfen wir uns einem Fürsprecher in Anliegen zuwenden, die auch für unsere Zeit bedeutsam sind: klare Durchsicht zu gesellschaftlichen Vorgängen, Gespür für Gerechtigkeit, Auftreten gegen Gleichgültigkeit. Das sind Haltungen, die uns Christen in der Gesellschaft auszeichnen sollten und die auch heute gefordert sind. Mit Carl Lampert wissen wir uns in diesen Haltungen bestärkt: durch das unerschütterliche Vertrauen auf Gott, durch die Verkündigung der alle Zeiten überdauernden Gültigkeit der biblischen Werte, durch das Eintreten für Glauben und Kirche als Volk Gottes, die trotz aller ihr anhaftenden Schwäche und Sündhaftigkeit von jener Heiligkeit getragen und gestützt wird, die von Gott ausgeht und Menschen befähigt, dieses Heil spürbar werden zu lassen im Hier und Jetzt. 

 

Eine Bitte, die nicht vergebens ausgesprochen ist

All das ist Grundlage für das Fest der Seligsprechung, zu der ich euch alle bereits jetzt einladen möchte. Wir feiern die Seligsprechung von Dr. Carl Lampert am Sonntag, dem 13. November 2011, dem 67. Jahrestag seines Todes, um 15.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin in Dornbirn, wo er von 1918 bis 1930 als Kaplan wirkte. In den Wochen vor und nach dieser Feier wird es einen reichhaltigen Bogen von Gottesdiensten und Bildungsveranstaltungen geben. Alle diese Angebote machen uns mit einem Mann und Priester vertraut, auf dessen Beispiel und Fürsprache wir heute unsere Gesellschaft im Sinne Gottes und seiner Botschaft prägen dürfen. „Seliger Carl Lampert, bitt für uns!“, wird es nach dem 13. November 2011 in der Allerheiligenlitanei in unserer Diözese heißen. Es ist dies eine Bitte, die – und da bin ich mir gewiss – nicht vergebens ausgesprochen wird.

In dieser Zuversicht grüße ich euch, euer Bischof Elmar!